Sollten die Kinos die Preise dauerhaft senken?

Von Laurien Gschwend
Entscheidet man sich gegen einen Kinobesuch, muss man womöglich auch auf eine solche Portion Popcorn verzichten.
Entscheidet man sich gegen einen Kinobesuch, muss man womöglich auch auf eine solche Portion Popcorn verzichten. © iStock
Knappe zwölf Franken kostet das günstigste Netflix-Abo. Rund drei Franken mehr muss man für einen einzigen Kinobesuch hinblättern. Eigentlich ist man ja blöd, wenn man den Mehrbetrag bezahlt – oder etwa nicht? 

Fast 215’000 Personen waren am vergangenen Sonntag für fünf Franken im Kino – ein Zuschauerrekord. Der “Tag des Kinos” machte dies möglich. “Für uns war das eine Gelegenheit, den Film im Saal zu promovieren”, sagt Claude Ruey, Präsident des Schweizerischen Verbands für Kino und Filmverleih “Pro Cinema”. Rekordtag dank günstigen Eintrittspreisen. Stellt sich die Frage: Würde es für die Kinos nicht Sinn ergeben, die Ticketpreise dauerhaft zu senken? “Die Aktion kostet uns viel Geld, das könnten wir uns nicht leisten”, sagt Ruey.

Kino als Ort der Öffentlichkeit

Die normalen Preise seien damit zu rechtfertigen, dass die Löhne und die Mieten in der Schweiz höher sind als in anderen Ländern. Ausserdem, so Ruey, “kann man Emotionen im Saal besser erleben als vor dem PC oder dem Smartphone”.

Diese Meinung teilt auch Sandra Meier, Leiterin des Alternativkinos “KINOK”. Das Kino sei ein magischer Saal. Schaue man daheim einen Film, so komme oft etwas dazwischen: “Plötzlich klingelt das Telefon, oder man muss aufs WC”, sagt Meier. Das Kino hingegen sei ein Ort der Öffentlichkeit, wo Leute zusammenkommen. “Wir bieten unserem Publikum einen Mehrwert: Zum Beispiel Einführungen in Filme, Begegnungen mit Regisseuren und Podiumsgespräche”, so die Programmleiterin des St.Galler Kinos. So entstehe ein Diskurs, man könne sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Für einen Film nach Zürich oder Wien

Die “KINOK”-Leiterin glaubt nicht, dass Streamingdienste wie Netflix das Kino ablösen können. Sie bezieht sich auf die Theorie von Marshall McLuhan: “Es kommen ständig neue Medien hinzu. Es gibt auch nicht plötzlich keine Konzerte mehr, weil man Musik herunterladen kann”, sagt die Kulturschaffende. Wie Sandra Meier schildert, ist sie aber auch in einer anderen Zeit aufgewachsen als die Internetgeneration. “Wenn ich früher einen Film sehen wollte, so musste ich nach Zürich reisen oder Wien, denn die Internetangebote von heute gab es einfach nicht.”

Kinogeschäft wenig lukrativ

Wer Mitglied des “KINOK” ist, bezahlt pro Kinobesuch zehn Franken Eintritt. “Die Hälfte der Einnahmen geht weg an der Verleih”, erklärt Sandra Meier. Das “KINOK” zeigt oftmals ältere Filme und Retrospektiven, die sehr teuer zu mieten sind. Mit dem Rest des Betrags müssen das Gebäude, die Löhne sowie die Werbekosten gedeckt werden. “Es bleibt sehr wenig übrig”, führt die Filmexpertin weiter aus.

Andere Schweizer Kinos wie die “KITAG” verlangen rund 17 Franken für einen einzigen Eintritt – und damit sind Getränke und Snacks noch nicht bezahlt. Auf Anfrage von FM1Today war das grösste Schweizer Kinounternehmen allerdings nicht dazu bereit, zeitnah Auskunft zu erteilen.

Mehr Besucher als am “Eidgenössischen”

Auch nächstes Jahr wird es wahrscheinlich wieder einen “Tag des Kinos” geben. “Für das nächste Mal suchen wir Sponsoren, welche die Kosten tragen”, so Claude Ruey. “Pro Cinema” blickt auf einen erfolgreichen Sonntag zurück: An nur einem Tag konnten mehr Besucher verzeichnet werden, als das Eidgenössische Schwingfest an drei Tagen zählte.

Sandra Meier betrachtet den “Tag des Kinos” als “Angebot für Leute, die nicht so Kinogänger sind”. Nicht alle Kinobetreiber seien glücklich darüber gewesen, den “Tag des Kinos” über einen günstigen Eintrittspreis zu promoten. Aber, so Meier weiter, “wenn’s nur ein Tag ist, ist es okay”.


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