Spezielles Derby im Schweizer Cup zwischen Muttenz und Basel

Heute Abend Schauplatz des Basler Cup-Duells: der Sportplatz Margelacker in Muttenz (Archivbild)
Heute Abend Schauplatz des Basler Cup-Duells: der Sportplatz Margelacker in Muttenz (Archivbild) © KEYSTONE/PATRICK STRAUB
Im heutigen Cup-Achtelfinal zwischen Muttenz und dem FC Basel geht es nicht nur um das Messen von Lehrern, Studenten und Handwerkern mit den Profis. Es spielen Fans gegen ihre Idole. In den letzten Jahren ist der FC Basel im Cup mehrfach gegen seine Bewunderer aus der Region angetreten.

Er spielte gegen Oberdorf, in Liestal und in Binningen sowie zweimal gegen die Old Boys. Nun ist heute Abend ab 19.30 Uhr der SV Muttenz an der Reihe. Dabei steht für den FC Basel die kürzeste Anreise der Klubgeschichte zu einem Auswärtsspiel an. 1,7 km liegt der Sportplatz Margelacker vom St.-Jakob-Park entfernt. Selbst die Stadien innerhalb der Basler Stadtgrenze – Schützenmatte und Rankhof – waren weiter weg.

Für den SV Muttenz ist der FC Basel nicht nur geografisch nahe. Fast jeder im Verein fühlt sich dem FCB verbunden, viele haben ein Saisonabonnement im St.-Jakob-Park. Einige Muttenzer Protagonisten kennen den grossen Nachbarn sogar aus dem Innern. Trainer Sandro Kamber (42) war früher Assistent der Basler U21-Mannschaft. Torhüter Valentino Reist (24) spielte vor fast zehn Jahren im FCB-U15-Team zusammen mit Taulant Xhaka und Xherdan Shaqiri. Und der junge Cédric Haas (18) stiess erst in diesem Sommer aus dem Basler Nachwuchs zum SV Muttenz. Kamber sprach von einem “Spiel unter Freunden”.

Für dieses Spiel haben sie in Muttenz eigens eine Stehplatz-Tribüne aufgestellt. Sie rechnen mit rund 6000 Fans und damit mit einem neuen Zuschauerrekord. Dieser wurde vor 28 Jahren in einem Cup-Spiel gegen den FC Zürich realisiert (5500). So viele Zuschauer wird Muttenz auch nötig haben, um die hohen Kosten, welche heutzutage bei einem Cupspiel auch in der Provinz entstehen, zumindest decken zu können.

Immerhin haben sie beim SV Muttenz diesmal sofort gewusst, was es für die Organisation eines Cupspiels gegen einen Super-League-Verein braucht, denn vor drei Jahren waren die Young Boys zu Gast auf dem Sportplatz Margelacker. Man habe bloss die Pläne von damals aus der Schublade ziehen und leicht anpassen müssen, sagte Präsident Manfred Wieland.

In den beiden Super-League-Duellen St. Gallen – Luzern (Mittwoch) und Young Boys – FC Zürich (Donnerstag) sind die Heimteams mehr unter Druck. Joe Zinnbauer, der Trainer der Ostschweizer, sprach vom “wichtigsten Spiel, seit ich hier bin”. Unter dem Deutschen hat der FC St. Gallen noch nicht in die Spur gefunden. Nur eines von fünf Super-League-Spielen hat Zinnbauer gewonnen. “Meine Vorstellungen sind noch nicht umgesetzt. Wir haben zu viele gravierende Ballverluste.” Gegen Luzern dürfte Zinnbauer wieder auf Captain und Stürmer Albert Bunjaku zählen können, der sich vor rund einem Monat im ersten Training unter ihm verletzt hat.

Luzern muss dagegen ein weiteres Mal auf seinen nominell besten Stürmer verzichten. Der Paraguayer Dario Lezcano sitzt die zweitletzte seiner acht Spielsperren ab. Auch am Sonntag, wenn Luzern in der Meisterschaft erneut in St. Gallen antritt, fehlt der Südamerikaner. Luzerns Trainer Markus Babbel, der als Trainer weder mit dem VfB Stuttgart noch mit Hoffenheim oder Hertha Berlin je die Cup-Viertelfinals erreicht hat, nimmt die Absenz seines Topskorers nicht zu schwer: “Wir haben ohne ihn nur einmal verloren.”

Auch YB und der FCZ spielen bereits am Wochenende wieder gegeneinander. Für die in der Super League auf den letzten Platz abgerutschten Zürcher ist in diesen Wochen vor allem wichtig, in der Meisterschaft zu punkten. Für die Berner dagegen ist der Cup-Achtelfinal wegweisend. Mit zwölf Punkten Rückstand auf Basel ist der Meistertitel bereits entrückt. Wollen sie in dieser Saison endlich mal wieder eine Trophäe gewinnen, müssen sie dies im Cup schaffen. Scheitert YB am Donnerstag am FC Zürich, würde der gute Start von Trainer Adi Hütter fürs Erste in den Hintergrund rücken. Die Young Boys hätten in dem Falle nämlich bereits im Oktober alle hochgesteckten Saisonziele verpasst.

Von den 16 Achtelfinalisten sind nur noch vier aus dem Amateurbereich. Weil Red Star Zürich (2. Liga inter) und Köniz (Promotion League) gegeneinander antreten, wird mindestens ein Team ausserhalb der Super League und Challenge League in die Viertelfinals vorstossen. Köniz könnte erstmals unter die letzten acht kommen. In der Mannschaft des früheren YB-Goalies Bernhard Pulver stehen mehrere Spieler mit Super-League- oder Challenge League-Erfahrung. Sie hatte in der 1. Runde die Grasshoppers eliminiert.

(SI)


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