Sportchef Bickel und CEO Kappeler verlassen YB

Sportchef Bickel und CEO Kappeler verlassen YB
© KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Grosse Überraschung bei den Berner Young Boys: Sportchef Fredy Bickel und CEO Alain Kappeler verlassen den Club per sofort. In einem Communiqué begründet die YB-Leitung die personellen Massnahmen mit einer wirtschaftlich bedingten Restrukturierung.

Hinter dem House-Cleaning steht aber mutmasslich bedeutend mehr als die schon fast chronisch roten Zahlen. Der anhaltende sportliche Stillstand – der Gewinn der letzten Trophäe liegt über 29 Jahre zurück – dürfte die ehrgeizige Investoren-Familie Rihs ebenso beunruhigt haben wie die Sockelverluste auf der Fussball-Bühne. Schon im Sommer haben die YB-Besitzer eine schlankere (Transfer-)Linie vorgeben, nun folgt die nächste Bereinigung.

Angesichts des für Schweizer Verhältnisse stattlichen finanziellen Aufwands bewegt YB im Tagesgeschäft seit geraumer Zeit zu wenig. Die Stagnation in der Super League missfällt den Geldgebern. Der Rückstand gegenüber dem Branchenprimus Basel ist trotz hohen Ausgaben nicht kleiner geworden – im Gegenteil. Nach drei Fehltritten innerhalb der ersten sieben Runden ist der Rückstand in der neuen Saison bereits auf neun Punkte angewachsen.

Auf europäischer Ebene hat die Nummer 2 des Schweizer Klub-Rankings dank dem Coup gegen Schachtar Donezk das Minimalziel erreicht und qualifizierte sich für die Europa-League-Gruppenphase. Haften bleibt indes, wie hilf- und konzeptlos sich YB im Champions-League-Playoff gegen Mönchengladbach vorführen liess.

Das 1:6-Debakel im Rückspiel im Borussia-Park dürfte in der internen Analyse durchaus die eine oder andere Frage aufgeworfen haben. Stimmt der Kurs noch? Weshalb ist eine nach wie vor teure Mannschaft international nur in Ausnahmefällen konkurrenzfähig? Wie sind Fehltritte gegen Lugano (1:2) und die in jenem Moment angezählten Grasshoppers (1:4) mit der immer wieder propagierten Leistungskultur zu vereinbaren?

Die generell schleppende Entwicklung fällt im Kernbereich nun direkt auf Bickel zurück. Der frühere FCZ-Meistermacher hat nach Einschätzung der Klubbesitzer seit seinem Comeback in Bern im November 2012 zu wenig bewegt. Der FCB blieb ausnahmslos ausser Reichweite und im Cup leistete sich YB während der zweiten Ära Bickels mehrere blamable Auftritte.

«Wir erwarten, dass dass sich die sportlichen Ziele von YB nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten.» Der Satz der beiden Financiers Andy und Hansueli Rihs ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Ergebnisse auf dem Rasen nicht mit ihren Vorstellungen korrespondieren. YB wolle ein Spitzenklub der Super League bleiben – «auch mit Erfolgen auf dem internationalen Parkett».

Noch im Juli hatte Bickel in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda erklärt, sie müssten «einen anderen Weg finden. Sollte die Konkurrenz etwas nachlassen, müssen wir bereit sein, unseren Job richtig zu machen.» YB wählt nun tatsächlich einen anderen Weg – einen ohne den 51-Jährigen.

Gemäss eigenen Angaben haben sich die Entscheidungsträger festgelegt, wer die Arbeit Bickels fortführen wird. Veröffentlicht wird die Lösung indes erst im kommenden Monat. Know-how-Träger gibt es innerhalb des Betriebs mehrere: VR-Mitglied Urs Siegenthaler beispielsweise, der beim DFB zum Weltmeisterstab Jogi Löws gehört, oder Talentmanager Christoph Spycher.

Die bis anhin getrennten Bereiche Sport und Kommerz werden zusammengelegt. Kappeler, seit über vier Jahren im operativen YB-Geschäft engagiert und Anfang 2014 zum CEO aufgestiegen, spielt in den neuen Plänen keine Rolle mehr.

Anstelle des entmachteten Geschäftsführers wird Wanja Greuel befördert. Der studierte Betriebswirtschafter leitete vor dem erheblichen Umbau in der Teppich-Etage die Marketing- und Verkaufsressorts der Young Boys.

(SDA)


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