Spuren prähistorischer Käseherstellung in Schweizer Alpen entdeckt

Die traditionelle alpine Käserei darf ohnehin auf eine stolze Geschichte zurückblicken. Eine neue Studie zeigt, wie weit diese tatsächlich zurückreicht. (Symbolbild)
Die traditionelle alpine Käserei darf ohnehin auf eine stolze Geschichte zurückblicken. Eine neue Studie zeigt, wie weit diese tatsächlich zurückreicht. (Symbolbild) © KEYSTONE/SIGI TISCHLER
Emmentaler und Gruyère könnten ihren Ursprung schon in der Eisenzeit genommen haben. Forscher haben erstmals Hinweise auf prähistorische Käseherstellung in alpinen Höhenlagen entdeckt.

Die jüngere Geschichte der hochalpinen Käseproduktion sei zwar gut dokumentiert, aber über die Anfänge dieser Praxis gebe es wenig archäologische Befunde, schreiben die Forscher um Oliver Craig von der University of York im Fachjournal “PLoS One”. Dies wegen der flüchtigen Natur der Wandertierhaltung.

In Zusammenarbeit mit den Archäologischen Diensten des Kantons Graubünden trugen die Wissenschaftler 30 Tonscherben aus einem Zeitraum von vor rund 7000 bis 2500 Jahren zusammen. An diesen konnten die Forscher erstmals mittels chemischer Analysen die Geschichte der hochalpinen Käseherstellung nachzeichnen.

Gefunden wurden die Scherben an sechs historischen Stätten im Engadin, darunter einfache Felsunterkünfte aus der frühen Jungsteinzeit und Bronzezeit und Steinbauten aus der späten Eisenzeit. Der chemische Fingerabdruck von Fetten, die auf Käseproduktion hindeuten, liess sich dabei nur an Scherben aus den Eisenzeit-Steinbauten feststellen, wie die Forscher berichten.

Diese ersten Spuren fallen somit in einen Zeitraum von vor 3000 bis 2500 Jahren. In tieferen Lagen wurden bereits deutlich ältere Hinweise auf die Fermentierung von Milch gefunden, die bis in die Anfänge der Landwirtschaft, also die frühe Jungsteinzeit zurückreichen. Im direkten Umland der Schweizer Alpen finden sich Spuren auf rund 6000 Jahre alten Tonscherben, also aus der späten Jungsteinzeit.

Die Viehhaltung und Käseproduktion in Höhen von über 1800 Metern brauchte jedoch damals wie heute besondere Kenntnisse der Bedingungen, so die Forscher. Sie vermuten, dass ein starkes Bevölkerungswachstum während der Eisenzeit sowie die klimatischen Bedingungen die Weideflächen im Tiefland knapp werden liessen und Viehhirten zunehmend in die Höhe trieben.

Die einfachen Steinbauten aus dieser Zeit zeigen, dass Hirten im Sommer zunehmend Bergweiden nutzten. Wofür die Bauten dienten, war bisher jedoch unklar, da solche Stätten in grosser Höhe in der Regel schlecht erhalten sind.

Archäologen hatten jedoch bereits vermutet, dass sie Artefakte einer sich neu entwickelnden Wirtschaftsstrategie sind, was sich mit der neuen Studie bestätigt. Erstaunlicherweise hätten die hochalpinen Regionen diese Strategie während drei Jahrtausenden bewahrt, schreiben die Forscher um Craig. Sie habe zur Verwaltung und dem Erhalt der Kulturlandschaft beigetragen.

Nun sei diese jedoch durch den Klimawandel und supranationale Wirtschaftsstrategien der Lebensmittelindustrie bedroht, welche den Wert von lokalen Kenntnissen der Umwelt und die damit verbundenen Praktiken zur Lebensmittelproduktion ignoriere.

Massnahmen, um die traditionelle hochalpine Käseherstellung und die alpinen Landschaften zu erhalten, müssten daher die enge Beziehung der beiden berücksichtigen, schliessen die Wissenschaftler.

(SDA)


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