SRF lässt die Hosen runter

SRF  lässt die Hosen runter
© Der SRF-Hauptsitz in Zürich-Leutschenbach (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Erstmals hat das Schweizer Fernsehen die Produktionskosten für seine Sendungen offen gelegt. Wirklich schlauer wird man mit diesen Zahlen allerdings kaum – spannender wäre zu wissen, wie die Kosten genau berechnet wurden.

Ein “Schweizer Film” auf SRF kostet 1,6 Millionen Franken. Eine Folge des Schweizer “Tatort” 2,1 Millionen Franken. Und für eine Episode des “Bestatters” legt man im Leutschenbach durchschnittlich 719’000 Franken auf den Tisch. Was die Kosten pro Sendeminute und Folge betrifft, sticht die Kategorie “Spielfilme und Serien” heraus. Überraschend kommt das nicht; gerade für abendfüllende Film-Formate sind die Produktionskosten bekanntlich besonders hoch. Hier fallen nur schon immense Kosten (Drehbücher, Planungskosten, Gagen, usw.) an, bevor am Set überhaupt die erste Klappe fällt.

23,9 Millionen für Tagesschau

Die Nachrichtensparte ist diesbezüglich verhältnismässig günstig: Insgesamt investiert SRF jährlich 56,8 Millionen Franken in die Nachrichtensendungen. Davon entfallen 23,9 Millionen Franken auf sämtliche Ausgaben, also Mittags-, Haupt- und Spätausgabe der “Tagesschau”. Daraus ergeben sich rund 1’100 Sendungen im Jahr – etwelche Sonder- und Spezialsendungen noch nicht eingerechnet. Die “Tagesschau” kostet im Jahr so viel wie elf “Tatort”-Folgen.

Hier ein kurzer Überblick zu weiteren bekannten Sendungen aus dem Hause SRF – alle Beträge beziehen sich auf die Kosten pro Folge/Sendung: “Kassensturz” 114’000 Franken, “Rundschau” 115’000 Franken, “Potzmusig” mit Nicolas Senn 75’000 Franken oder “Kulturplatz” 74’000 Franken. Und eine Sendung des Satiremagazins “Giacobbo / Müller schlägt mit rund 131’000 Franken zu Buche. Bei den vorliegenden Angaben handelt es sich um die effektiven Kosten der im Jahr 2014 ausgestrahlten Sendungen, basierend auf der Jahresrechnung, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Daten sollen in Zukunft jährlich aktualisiert werden.

Die Kosten der Talk-Sendungen variieren zwischen 14’000 Franken (Schawinski) und 61’000 Franken (Literaturclub). Showsendungen wie “The Voice of Switzerland”, “Happy Day”, “Gipfelstürmer” oder “Kampf der Orchester” kosten durchschnittlich 817’000 Franken pro Folge. Bei internationalen Koproduktionen wie “Musikantenstadl” oder “Eurovision Song Contest” beteiligt sich SRF im Schnitt mit 96’000 Franken.

Unklare Produktionskosten

Die Zahlen lassen allerdings viel Interpretationsspielraum. Trotz den genannten “Hausnummern” bleiben die effektiven Produktionskosten zuweilen unklar. Ein anschauliches Beispiel liefert die Sportabteilung: Eine Folge “Sportpanorama” soll durchschnittlich 64’000 Franken kosten, eine Sendung “Sportaktuell” nur 23’000 Franken. Dabei verursacht gerade die Sportberichterstattung enorme Nebenkosten. Nur schon für die Super League (Fussball) und die National League A (Eishockey) muss der Sender für Übertragungsrechte tief ins Portemonnaie greifen. Von anderen Grossereignissen wie Champions League, Formel 1 oder gar Olympischen Spielen reden wir nicht einmal. Alles in allem dürfte das Staatsfernsehen einen mehrstelligen Millionenbetrag für Sende- und Übertragungsrechte ausgeben; Niederschlag findet das in den “transparenten” Sendekostenangaben der SRF aber nicht.

Generell können die Kosten fast nicht interpretiert und 1:1 verglichen werden. Man weiss nicht, welches die Kostentreiber sind und wie die Zahlen zu Stande kamen. Fazit: Das SRF will die Hosen runterlassen und transparent sein, bringt aber noch nicht einmal den Gürtel auf. (mla)


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