«St.Gallen bleibt mir lange in Erinnerung»

Von Fabienne Engbers
Joris hat viele gute Erinnerungen an St.Gallen.
Joris hat viele gute Erinnerungen an St.Gallen. © FM1Today/Fabienne Engbers
Mit seiner neuen Single «Signal» kommt Joris dieses Jahr ans Summerdays Festival nach Arbon. An die Ostschweiz hat der Deutsche gute Erinnerungen – am OASG hat er neue Freundschaften geschlossen, wie er im Interview erzählt.

Nach drei Jahren Pause hat der deutsche Sänger Joris (28) seine neue Single «Signal» veröffentlicht, das Album dazu folgt. Im Interview schwärmt er von seinen Erinnerungen an St.Gallen. 2016 hat er im Sittertobel neue Freundschaften geschlossen und im Tourbus Fussball geschaut.

Herzlich willkommen in St.Gallen! Nach drei Jahren bringst du dein zweites Album raus, wie geht es dir?

Mir geht es sehr sehr gut, ich bin jetzt wieder voller Energie und voller Kraft loszulegen.

Hat dir die Pause gutgetan?

Alle sagen immer Pause. Man muss sich aber vorstellen, wenn man ein Jahr lang nicht auf der Bühne steht, fühlt sich das für einen Musiker unfassbar Scheisse an. Ich war drei Monate reisen und hab geschrieben, dann waren wir neun Monate im Studio, wo man jeden Tag morgens reingeht und spät nachts wieder rauskommt. So richtig Pause machen war das eigentlich nicht, mehr eine Bühnenpause.

Deine neue Single «Signal» ist energetischer als die anderen, hat die «Pause» auch deine Musik wieder aufgeladen?

Ich glaube, dieses energetischere und progressive ist vor allem den Festivals geschuldet, bei denen ich gespielt habe – unter anderem auch hier in St.Gallen. Ich habe an vielen Festivals gespielt, von denen ich immer geträumt habe, Southside, Hurricane und wie sie alle heissen. Ich glaube, da habe ich einfach viel mitgenommen und das musste auf der neuen Platte vertreten sein.

Also spielst du lieber Festivals als Konzerte?

Nein, nicht unbedingt, da gibt’s keinen Unterschied. Solange ich in irgendeiner Form auf der Bühne stehen kann, bin ich happy. Ich mache seit 25 Jahren Musik und gut 20 Jahre lang hat das niemanden interessiert, ausser vielleicht meine Nachbarn, die ab und an mal geklopft haben. Die letzten Jahre waren wirklich sehr fulminant und insofern bin ich auch dankbar. Ob man in einem kleinen Club spielt und schwitzend aneinander gedrängt steht oder ob man auf riesigen Bühnen steht, auf grossen Festivals – es macht immer Bock.

Du singst weiterhin auf deutsch, warum hast du dich dazu entschieden?

Ich hab früher immer auf englisch gesungen, bis ich mein Debüt-Album geschrieben hab. Ich hab für mich gemerkt, dass das eine weitere Ebene für mich aufmacht. Ein Song ist nicht einfach der Beat und die Melodie, sondern auch noch Text, den man in deutsch wörtlich verstehen kann. Bei englischen Songs hören die Leute glaube ich mehr auf die Melodie. Dass die Leute bei deutschen Songs mehr auf den Text hören, finde ich sehr sehr schön. Das kann natürlich auch nicht so schön sein, je nach dem, was man für Musik hört (lacht), aber für mich ist es eine Bereicherung.

Am OpenAir St.Gallen hat man gesehen, dass du selbst Klavier und Gitarre spielst, hast du die Instrumente auf deinem neuen Album auch selbst eingespielt?

Im Studio hatten wir immer sehr viele Gäste. Es kamen viele Bläser vorbei und meine Freunde waren oft zu Besuch, unter anderem an meinem Geburtstag, als wir den Chor aufnahmen. Ich habe tatsächlich einiges selbst eingespielt, vor allem auf der Gitarre. Ich hab einen fantastischen Keyboarder und Pianisten, wann immer es darum ging, schwierige Riffs einzuspielen, hat sicherlich er das gemacht. Wenn es eher darum ging, ein paar einfache Akkorde einzuspielen, habe ich das auch ab und an selbst gemacht.

Ist dir das OASG in guter Erinnerung geblieben?

Ich war da mit «Rag’N’Bone Man» und «AnnenMayKantereit». Es war super, ich hab sogar «Rag’N’Bone Man» danach in Amsterdam an einem Konzert besucht. Er hat mich damals angesprochen, ob ich mit ihm ein Selfie mache. Ich muss ehrlich zugeben, ich hab ihn damals noch nicht gekannt. Als ich sein Konzert sah, fand ich es unfassbar geil. Ich spielte nach ihm und er stand im Publikum, da hab ich ihn gegrüsst. Seitdem wusste er, wer ich bin und ich wusste, wer er ist.

Dann bleibt dir die Ostschweiz auch in Erinnerung an neue Freundschaften?

Auf jeden Fall! Ich erinnere mich an vieles, jetzt ist WM im Sommer und ich erinnere mich daran, dass wir an dem Abend in St.Gallen das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien gekuckt haben. Wir sind in unseren Tourbus gegangen und hatten zwei Laptops offen, die leicht zeitversetzt das Spiel gestreamt haben. Da haben wir alle zusammen das Elfmeter-Schiessen angeschaut, das Deutschland gewonnen hat. Insofern wird mir der gesamte Abend, inklusive schlechtem Wetter bei meinem Konzert und gutem Wetter danach, ungelogen sehr, sehr lange in Erinnerung bleiben.

Drückst du bei der WM dieses Jahr die Daumen für Deutschland?

Ich könnte jetzt sagen, dass ich die Daumen nur für die Schweiz drücke, was ich unter anderem auch tue, aber ich drücke natürlich primär die Daumen für Deutschland (lacht).

Hast du überhaupt Zeit, um Fussball zu schauen?

Ich versuche zu schauen. Ich glaube, wir sind oft genug nicht auf der Bühne, wenn Fussball gespielt wird. Wenn wir auf der Bühne sind, machen wir es immer so, dass die Crew von aussen auf A4-Blättern den aktuellen Spielstand regelmässig hochhält. So verpassen wir wenigstens die Tore nicht.

Also seid ihr Hardcore Fussballfans?

Nein, eigentlich überhaupt nicht, also zumindest ich nicht. Aber ich glaube, während der EM oder WM ist irgendwie jeder Fussballfan, ja klar.

Mit der WM kommt auch die Badesaison. Bist du ein spezieller Badehosen-Typ?

(Lacht.) Die Frage hat mir glaube ich noch niemand gestellt. Definiere einen speziellen Badehosen-Typ.

Naja, es gibt ja so ganz knappe Badehosen oder so ultra-lange Shorts…

Oder den Mankini (lacht), das Teil, das Borat trägt. Der würde mir bei meiner Figur sicherlich sehr gut stehen. Ansonsten habe ich seit dem Jugendalter die etwas längeren Badehosen. Die waren damals extrem cool und ich muss ehrlich sagen, ich glaube, ich habe mir seitdem auch keine neue Badehose mehr gekauft.


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