St.Galler bringen reinrassige Schweizer Zigi auf Markt

Abpacken der Heimat-Zigaretten in Steinach SG. Es sind die einzigen Zigaretten, die ausschliesslich mit Schweizer Tabak hergestellt werden.
Abpacken der Heimat-Zigaretten in Steinach SG. Es sind die einzigen Zigaretten, die ausschliesslich mit Schweizer Tabak hergestellt werden. © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Die Koch & Gsell AG in Steinach ist der einzige Zigaretten-Hersteller, der ausschliesslich aus Schweizer Tabak produziert. Verkaufsstart der neuen Schweizer Zigaretten “Heimat hell” und “Heimat dunkel” ist am 1. April.

Roger Koch, Gründer der Firma Koch & Gsell AG, hatte eine enge Beziehung zu seinem Grossvater Ernst Gsell. Der Grossvater erzählte ihm 1987 von der über 400-jährigen Tradition des Tabakanbaus in der Schweiz und liess den damals 12-Jährigen die erste Zigarette rauchen. Das war die Geburtsstunde der Idee einer Schweizer Zigarette.

Gelernter Sekundarlehrer

Stolpersteine gab es in der Entwicklung der Geschäftsidee einige. Wo immer er nachfragte, habe man ihm versichert, dass man den Schweizer Tabak nicht rauchen könne, sagt Roger Koch. Schweizer Tabak eigne sich höchstens als Füllprodukt. Der gelernte Sekundarlehrer aus dem St. Galler Rheintal hielt an seinem Traum fest und experimentierte mehrere Jahre mit den Schweizer Burley- und Virginia-Tabakblättern.

Zuerst hat der Gelegenheitsraucher verschiedene Sorten im eigenen Garten angebaut und mit diesen Blättern experimentiert. Es habe mehr als ein Jahr gedauert, bis er gemerkt habe, was er ändern müsse, damit die Mischung nicht zu mild oder kratzig wurde. Insgesamt stellte Koch mit einer kleinen Handstopfmaschine über 5000 Zigaretten her.

In unzähligen Degustationen habe er sich langsam dem “Heimat”-Blend angenähert. Eine besondere Herausforderung war das Fehlen von Gewürz- und Orienttabak, die in der Schweiz nicht angebaut werden. So musste sich Roger Koch von der Idee verabschieden, einen traditionellen American Blend (60% Virginia-, 30% Burley- und 10% Orienttabak) herzustellen.

Er konzentrierte sich auf das Potenzial der hiesigen Burley- und Virginia-Pflanzen. Entstanden sind zwei Mischungen, die nichts als Schweizer Tabak und reines Schweizer Wasser enthalten. Koch hofft, im ersten Jahr 10 Tonnen Tabak zu 400’000 Päckchen Zigaretten verarbeiten zu können. Produziert wird in Steinach in einer Halle von 300 Quadratmetern.

Gegen die drei Zigarettenfabriken in Boncourt JU, Neuenburg und Dagmarsellen LU, die grossen Konzernen gehören, wird es Koch & Gsell mit nur einem festen Mitarbeiter, einigen temporär Angestellten und den alten Produktionsmaschinen aus Rumänien schwer haben.

Ganzes Geld in Firma gesteckt

Der 41-Jährige hat sein ganzes Geld in den Aufbau der Firma gesteckt. Erfolg verspricht sich der Ostschweizer Unternehmer von der Schweizer Herkunft des Tabaks und einem schweizweiten Distributionsnetz, bei dem die Kioske eine wichtige Rolle spielen werden.

Im Landwirtschaftssektor ist der Tabak ein kleiner Player. Heute wird Tabak auf gut 450 Hektar in neun Kantonen angebaut. Mehr als die Hälfte der in der Schweiz produzierten Tabakwaren werden exportiert, wobei der heimische Tabakanbau weniger als 5 Prozent des Tabakbedarfs ausmacht. Obwohl der Zigarren- und Zigarettenkonsum in der Schweiz seit 1993 sinkt, steigt der Export weiter.

In der Schweiz werden zwei Tabaksorten angebaut: Burley, der in traditionellen Tabak-Lagerschuppen luftgetrocknet wird und Virginia, der 1992 in die Schweiz eingeführt wurde und in Öfen künstlich getrocknet wird.

Schrumpfende Schweizer Tabakproduktion

Die Schweizer Tabakproduktion ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, infolge des wirtschaftlichen Umfeldes. Nur noch rund 150 Pflanzer widmen sich dieser Kultur. Die meisten von ihnen befinden sich in den Kantonen Freiburg (57) und Waadt (47).

(SDA)


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