St.Galler Glühbirne vertreibt Einbrecher

Von Felix Unholz
Stefanie Turber und Marcus Köhler führen gemeinsam das Startup ComfyLight.
Stefanie Turber und Marcus Köhler führen gemeinsam das Startup ComfyLight. © Screenshot Werbevideo
Jeder fünfte Schweizer geht laut einer ETH-Studie davon aus, dass im nächsten Jahr bei ihm eingebrochen wird. Die Besorgnis ist nicht ganz unbegründet: Gerade im Winter häufen sich die Meldungen von Dämmerungseinbrüchen. Junge Forscher aus St.Gallen entwickeln nun eine Glühbirne, die unerwünschte Hausbesucher in die Flucht schlagen soll.

Die neue Leuchte erkennt, sobald jemand im Raum ist, und schaltet sich automatisch ein. Sie hat auch ein gutes Gedächtnis: Sobald Hausbewohner nicht zuhause sind, simuliert sie deren natürliche Bewegungsabläufe. So sieht ein Einbrecher, der die Umgebung auskundschaftet, keinen Unterschied zwischen einem leeren und einem bewohnten Haus – anders als bei Lampen mit
herkömmlichen mechanischen Zeitschaltuhren.

Sie sieht wie eine normale Glühbirne aus, ist aber vollgestopft mit Technik.

Sie sieht wie eine normale Glühbirne aus, ist aber vollgestopft mit Technik.

Doppelt so viel Geld wie benötigt

Die Idee für die intelligente Glühbirne der Zukunft entwickelten Studenten und Doktoranden am Bosch IoT Lab der Universität St.Gallen. Nun haben sie auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter schon über 100’000 Franken für ihr Projekt gesammelt – doppelt so viel Geld wie benötigt. Die Leuchte soll unter dem Namen ComfyLight auf den Markt kommen, zu einem stolzen Einführungspreis von ca. 140 Franken das Stück.

So funktioniert das Ding

Dafür ist auch einiges in die Glühbirne eingebaut: Sie speichert per WLAN die Daten, die sie per Bewegungssensor misst. ComfyLight-Mitgründer Marcus Köhler erklärt: “Was technisch klingt, funktioniert ganz einfach mit einem so genannten Mikrowellensensor, den man beispielsweise von den Einkaufstüren in der Migros kennt.”

Dieser Sensor erkennt Bewegungen und schaltet das Licht ein, sobald eine autorisierte Person den Raum betritt. Schleicht sich jedoch ein Einbrecher ins verlassene Haus, werden die Bewohner sofort per App informiert. Ausserdem beginnen alle Lampen im Haus zu blinken wie in einer Disco.

Total-Überwachung nun auch noch über die Glühbirne? Marcus Köhler beruhigt. Beim Sensor handle es sich nicht um eine Kamera und ein Mikrofon sei auch nicht geplant. Die Bewegungsprofile würden extra auf einem Server gespeichert, auf dem sonst Gesundheitsdaten abgelegt seien, “damit niemand sonst an die Bewegungsdaten kommt”.

Letzte Tests mit dem Bürohund

Momentan laufen noch die letzten Tests der intelligenten Glühbirne, wobei auch der Bürohund von Comfylight eine wichtige Rolle spielt. Marcus Köhler erklärt: “Wir haben einen Hund, der ungefähr 10 Kilo wiegt. Bei ihm geht der Einbruchalarm nicht los. Auch kleine Katzen sollten kein Problem sein.” Erst einen 40 Kilo schweren Hund könne die Lampe nicht mehr vom Menschen unterscheiden.

Bei Entwicklung knapp an Unfall vorbeigeschrammt

Bald geht die Lampe in Serienproduktion. Die Prototypen der Glühbirne hat Marcus Köhler aber noch selbst zusammengelötet. Zu dieser Zeit habe es eine Präsentation an der Universität St.Gallen gegeben, bei der die Lampe über einem Tisch hing, an dem Leute sassen. Gegen Ende des Meetings sei ein Mann, der direkt unter der Lampe sass, bereits etwas zurückgerutscht.

Köhler erinnert sich: “Kurz nachdem die Präsentation fertig war, fiel die Lampe auseinander und ein ungefähr 500 Gramm schweres Metallteil fiel aus zwei Metern Höhe herunter.”
Mittlerweile ist die intelligente Glühbirne aber nicht nur für Hunde sicher, sondern auch für Menschen. Im April soll ComfyLight auf den Markt kommen.

7 Mitarbeiter sind derzeit beim HSG-Startup ComfyLight angestellt.

Sieben Mitarbeiter sind derzeit beim HSG-Startup ComfyLight angestellt.


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