St.Galler Kanti-Schüler wehren sich

Gibt es schon bald keinen Matura-Morgen mehr?
Gibt es schon bald keinen Matura-Morgen mehr? © Ralph Ribi/St.Galler Tagblatt
Am sogenannten “Matura-Morgen” planen die Abschlussklassen an den Kantonsschulen traditionell spezielle Aktionen. Offenbar wurden diese durch die Schulleitung immer mehr reglementiert – sehr zum Missfallen der Schülerinnen und Schüler. Diese wehren sich nun mit einem offenen Brief.

Wie alt die Tradition des “Matura-Morgens” ist, ist nicht überliefert. Aber jede Maturandin und jeder Maturand kann davon Geschichten erzählen. Die harmloseren handeln von Wasserschlachten im Schulzimmer, Lehrerentführungen und zugemauerten Eingangstüren. Sinn des Matura-Morgens ist, am letzten normalen Schultag vor den Prüfungen und dem hoffentlich baldigen Ende der Gymi-Zeit, den Alltags- und Lernstress für einen Tag zu vergessen und sich – auf scherzhafte Weise – an den Lehrern und der Schule für angebliches Unrecht zu rächen.

“Optionen immer begrenzter”

“Der Matura-Morgen wird von Jahr zu Jahr strenger geregelt, die Schrauben des Möglichen immer weiter angezogen, die Optionen immer begrenzter”, heisst es nun in einem Brief, der rund um die Kanti am Burggraben in St.Gallen verteilt worden ist. Heute erinnere der Morgen “eher an ein Trauerspiel mit klar definierten Regeln und abgesegneten Plänen, ohne Überraschungen, ohne Schmutz, ohne Farben, manche würden auch behaupten ohne oder mit wenig Spass”.

Kleiner Protest

Aus Protest seien die Abschlussklassen bereits am Donnerstag in falsche Schulzimmer gegangen und hätten dort den Lehrerinnen und Lehrern den Kritikbrief überreicht. “Stellen wir uns doch einmal vor, das Ganze hätte am Freitag stattgefunden, so wäre es wohl auch amüsant gewesen, aber völlig vorauszuahnen”, heisst es im Brief. Einige Klassen hatten am Donnerstag noch Prüfungen oder Vorträge “und eine solche Aktion bringt alles durcheinander”.

“Das innere Kind bewahren”

“Ist es nicht genau dieses Überraschungsmoment, diese Unvorhersehbarkeit, welche die ganze Aktion erst zu etwas speziellem macht?”, schreiben die Abschlussklassen. Es wäre langweilig gewesen, wenn man die Aktion im Vorfeld hätte absegnen lassen. Weiter: “Dem liesse sich vielleicht noch entgegenhalten, wie kindisch eine solche Haltung sei. Aber es heisst doch nicht umsonst so schön, man solle sich das innere Kind bewahren.”

(rr)

Der offene Brief der Abschlussklassen. (zVg)


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