St. Galler Opernaufführung als spektakuläre Videoshow

Die spektakulären Lichtprojektionen der Freiluft-Oper "Le Cid" verwandeln die berühmte St. Galler Klosterkirche in eine Leinwand.
Die spektakulären Lichtprojektionen der Freiluft-Oper "Le Cid" verwandeln die berühmte St. Galler Klosterkirche in eine Leinwand. © KEYSTONE/EDDY RISCH
Ein Videokünstler macht die Oper “Le Cid” zur spektakulären Lightshow vor der weltberühmten St. Galler Klosterkirche. Petrus hatte sein eigenes Programm und liess es zur St. Galler Festspielpremiere blitzen und regnen.

Erstmals in ihrer elfjährigen Geschichte hatten die St.Galler Festspiele am Freitagabend kein Wetterglück bei der Premiere. Während der ersten Hälfte der zweistündigen Oper von Jules Massenet regnete es kräftig. Publikum und Künstler nahmen es gelassen. Nur das Geraschel der mit Plastikregenmänteln verhüllten Zuschauer störte manchmal die Musik des Sinfonieorchesters St. Gallen, das in einem Nebengebäude im Trockenen sass.

Musik und Gesang stehen diesmal aber ohnehin nicht im Mittelpunkt der Freiluftoper, sondern die spektakulären Bilder des spanischen Videokünstlers Franc Aleu. Wenn es dunkel wird, macht der Videospezialist die Schokoladenseite der Kathedrale zur Leinwand und verzaubert mit fantastischen Bildern. Nach der Ermordung des Le Comte de Gormas (Kevin Short) steigen Riesenkerzen die Fassade empor und Tränen tropfen von den Türmen hinunter. Einmal bringt der spanische Videokünstler die unter UNESCO-Schutz stehende Kathedrale sogar zum Einsturz.

Die faszinierenden Bilder stehlen den Protagonisten auf der Bühne manchmal die Show. Doch das nimmt Regisseur Guy Joosten in Kauf. Um aus der dreieinhalbstündigen “Grand opéra” ein massentaugliches Stück zu machen, hat er die grossen Massenszenen und Balletteinlagen nämlich aus “Le Cid” gestrichen und durch zeitgenössische Unterhaltung ersetzt. Den Videokünstler Franc Aleu, der auch für seine Videoprojektionen auf Fassaden bekannt ist, hatte Joosten bereits für seine Inszenierung der “Daphne” in Brüssel engagiert.

Der spanische Freiheitskämpfer “Le Cid”, der im 11. Jahrhundert massgeblich zur Rückeroberung Spaniens von den Muslimen beitrug, ist wie Wilhelm Tell ein historischer Mythos. Doch in der 1885 in Paris uraufgeführten Opfer geht es nicht um die Heldentaten des kastilischen Ritters Rodrigo Dìaz de Vivar, genannt “Le Cid”. Stattdessen hat der Komponist Liebe, Glaube und Familienehre ins Zentrum seiner Oper gerückt und zeigt, dass auch ein Held Probleme hat.

Die Hauptfiguren Chimène (Mary Elizabeth Williams) und Le Cid alias Rodrigue (Stefano La Colla) dürfen ihre Liebe nicht leben, weil ihre Familien verfeindet sind. Auch die Infantin (Evelyn Pollock), die Rodrigue ebenfalls liebt, ist abhängig von der Macht des Vaters. Es entspinnt sich ein Drama, der Ritter wird zum Mörder. Die komplizierte Geschichte in vier Akten ist allerdings schwer zu verstehen, weil keine Texte eingeblendet werden.

Trotzdem gelingt es den St. Galler Festspielen auch in ihrem elften Jahr, aus einer Opernrarität ein eindrückliches Open-Air-Erlebnis für ein breites Publikum zu machen. Begleitet wird Massenets Oper, die noch sechs Mal aufgeführt wird, von Konzerten mit klassischer und arabo-andalusischer Musik in der Kathedrale, der Schutzengelkapelle und der Stiftsbibliothek. Der Tanz in der Kathedrale widmet sich dieses Jahr dem Thema Rosenkranz.

www.stgaller-festspiele.ch

(SDA)


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