Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach Schiesserei in Hanfanlage

In dieser Industriehalle war die Hanfanlage.
In dieser Industriehalle war die Hanfanlage. © Keystone/Gian Ehrenzeller
In einer Hanfproduktionsanlage in Altstätten wurden zwei Männer im Februar 2015 bei einer Schiesserei schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat nun gegen die Beteiligten des Überfalls Anklage erhoben.

Der Überfall im Industriegebiet in Altstätten war offenbar sehr gut geplant und hatte schweizweit für Schlagzeilen gesorgt: Sechs Männer im Alter von 23  bis 40 Jahren drangen in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 2015  in eine Hanfproduktionsanlage ein. Die Angreifer trugen teilweise Westen mit der Aufschrift “Polizei” und setzten einen Störsender ein, damit die Aufpasser der Hanfproduktionsanlage keine Verstärkung herbeirufen konnten.

Einer der Täter schoss mehrmals mit einer kurzläufigen Schrotflinte auf die beiden Aufpasser, 37 und 45 Jahre und verletzte diese schwer.  Die Angreifer fesselten die beiden Aufpasser, die zwischen und forderten sie auf, Geld und Marihuana herauszugeben. Nachdem sie realisierten, dass sich einer der beiden Aufpasser in Lebensgefahr befand, verliessen sie die Halle und flohen unerkannt. Einer der Täter alarmierte die Rettungsdienste.

Riesige Anlage mit 10’000 Pflanzen

Die professionell aufgebaute Hanfproduktionsanlage erstreckte sich über zwei Ebenen. Rund 10’000 Hanfpflanzen wurden sichergestellt. Die Polizei sicherte in der Halle und auf dem Vorplatz auf einer Gesamtfläche von ca. 8000 Quadratmeter zahlreiche Spuren sowohl im Hinblick auf das Gewaltverbrechen als auch den Hanfanbau. Sie setzte dazu auch einen Quadrocopter und einen 3-D-Scanner ein.

Zur Bewältigung der anstehenden Ermittlungen bildete die Kantonspolizei St.Gallen eine Sonderkommission, in der bis zu fünfzehn Polizisten aus verschiedenen Abteilungen mitwirkten. Die Ermittlungen erstreckten sich auf weitere fünf Kantone. Im Zuge der Untersuchung wurden 24 Schweizer sowie je ein Tunesier, Italiener, Türke und Dominikaner festgenommen. Insgesamt vollzog die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft 38 Hausdurchsuchungen und hob dabei sechs weitere Hanfproduktionsanlagen aus. Zudem konnten weitere Delikte geklärt werden.

Staatsanwalt verlangt Freiheitsstrafe von 11 Jahren

Der Schütze wurde unter anderem wegen mehrfacher versuchter Tötung, qualifizierten Raubes und mehrfacher Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn eine unbedingte Freiheitstrafe von 11 Jahren.

Die übrigen Angreifer werden neben anderen Tatbeständen wegen qualifizierten Raubes, mehrfacher versuchter Körperverletzung und mehrfacher Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die weiteren Angreifer Freiheitstrafen zwischen 2,5 und 4 Jahren und teilweise zusätzlich Geldstrafen. Die Untersuchung gegen die Betreiber der Hanfproduktionsanlage in Altstätten läuft noch.

Kein organisiertes Verbrechen

Im Lauf der Untersuchungen wurden 28 Personen verhaftet, 24 davon sind Schweizer. Es gab 38 Hausdurchsuchungen und es wurden weitere sechs Hanfanlagen entdeckt. Man könne nicht von organisiertem Verbrechen sprechen, es sei eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppierungen gewesen, präzisierte Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft gegenüber der Nachrichtenagentur sda.


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