33-jähriger Einzeltäter hat Familie in Rupperswil umgebracht

Zur Aufklärung des Vierfachmordes von Rupperswil haben die Aargauer Untersuchungsbehörden bisher einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor. (Archivbild)
Zur Aufklärung des Vierfachmordes von Rupperswil haben die Aargauer Untersuchungsbehörden bisher einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor. (Archivbild) © Keystone/WALTER BIERI
Der Vierfachmord vom 21. Dezember 2015 im aargauischen Rupperswil ist geklärt. Die Polizei hat den mutmasslichen Täter festgenommen. Es handelt sich um einen 33-jährigen, nicht vorbestraften Mann aus Rupperswil.

Der Mann war im Verlaufe der Zeit immer mehr ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Als die Gewissheit da war, dass es sich bei ihm um den Täter handeln könnte, nahm ihn die Polizei am Donnerstag nach 72-stündigen Vorbereitungsarbeiten fest.

Der Täter ist ein 33-jähriger, lediger Schweizer ohne Migrationshintergrund. Er ist derzeit als Student gemeldet. Kurze Zeit nach der Festnahme konnte er mittels Fingerabdruck und DNA-Abgleich mit der Tat in Verbindung gebracht werden.

Bei der Hausdurchsuchung am Donnerstag in Rupperswil stellte sich heraus, dass er weitere, ähnlich gelagerte Delikte konkret geplant hatte und auch ausgeführt hätte. Mit der rechtzeitigen Festnahme konnte dies verhindert werden.

Täter bisher nicht aufgefallen

Der Mann war der Polizei bisher nicht aufgefallen und ist nicht vorbestraft. Nach der Festnahme gestand er die Tat vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte am Freitag Untersuchungshaft. Sie geht von einem Einzeltäter aus. Hinter der Tat standen laut Angaben der leitenden Staatsanwältin Barbara Loppacher finanzielle und sexuelle Motive.

Wie der Aargauer Kripochef Markus Gisin vor den Medien sagte, beobachtete der Täter am frühen Morgen des 21. Dezembers das Haus der Opferfamilie. Als der Lebensgefährte der später ermordeten 48-jährigen Frau zur Arbeit fuhr, drang der Mann mit einer List ins Haus ein. Dort brachte er die vier anwesenden Personen unter seine Kontrolle.

Täter vergeht sich am jüngeren Sohn

Er bedrohte den 13-jährigen Sohn und zwang die Frau, ihren 19-jährigen Sohn und dessen 21-jährige Freundin zu fesseln und zu knebeln. Auch der jüngere Sohn wurde danach gefesselt. Dann verlangte der Täter von der Frau, dass sie Geld beschafft. An Bankomaten in Rupperswil und Wildegg hob sie rund 1000 Euro und 10’000 Franken ab. Nach der Rückkehr ins Haus wurde auch die Frau gefesselt.

Danach verging sich der Täter am jüngeren Sohn. Zuletzt tötete der Täter seine Geiseln, indem er ihnen die Kehle durchschnitt. Er zündete die Opfer mit Brandbeschleuniger an und verschwand unerkannt aus dem Haus. Die Tötungen und die Brandlegung waren laut Behördenangaben von Anfang an geplant.

Grosse Erleichterung bei den Justizbehörden

Die Erleichterung war gross, als Vertreter der Aargauer Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei am Freitag vor den Medien im Polizeigebäude in Schafisheim AG, nur wenige 100 Meter vom Tatort entfernt, ihren Erfolg vermelden konnten. Selbst Justizdirektor Urs Hofmann (SP) war vor Ort, um den Beteiligten für die Arbeit zu danken.

Lange hatte es nämlich den Anschein gemacht, dass die Behörden vollständig im Dunkeln tappen. Noch vor drei Monaten, knapp zwei Monate nach dem Mord, mussten Polizei und Staatsanwaltschaft an selber Stelle mitteilen, dass sie noch nicht viel weiter waren mit ihren Ermittlungen.

Riesiger Aufwand zur Klärung der Tat

Jetzt, 146 Tage nach der Tat, ist deren Ablauf geklärt und der Täter festgenommen. Der Aufklärung dieses schrecklichsten Verbrechens in den vergangenen Jahrzehnten im Aargau ging eine beispiellose Fahndungsarbeit voraus. Noch nie wurden im Kanton Aargau so viele Personen für die Ermittlungen beigezogen.

Der Ermittlungsaufwand sei hoch und komplex gewesen, weil sich Opfer und Täter nicht kannten, sagte Kripochef Gisin. Deshalb habe es einige Zeit gedauert, bis der Täter am Donnerstag festgenommen werden konnte.

Nach der Tat kurz vor Weihnachten arbeiteten die Behörden Tag und Nacht sowie an sieben Tagen in der Woche am Fall. Neben den eigenen Leuten wurden auch Spezialisten aus dem In- und Ausland engagiert.

Zudem wurde Interpol eingeschaltet und Flugblätter wurden verteilt. Als man mit den Ermittlungen nicht weiterkam, wurde eine Belohnung von 100’000 Franken für Hinweise ausgesetzt. Diese wurde allerdings nicht ausbezahlt, da keiner der eingegangenen Hinweise zur Ergreifung des Täters führte.

(SDA)


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