Stand-up-Paddler befreit Maz von Müll

Von Vanessa Kobelt
Der Diepoldsauer Martin Frei fischte allerhand Müll aus dem Alten Rhein.
Der Diepoldsauer Martin Frei fischte allerhand Müll aus dem Alten Rhein. © Martin Frei
Im Naherholungsgebiet Maz stösst der Diepoldsauer Martin Frei immer wieder auf Abfall. Nun hat er das Ruder selbst in die Hand genommen und fischt auf seinem Stand-up-Paddle Müll aus dem Alten Rhein.

Martin Freis Herz schlägt für den Alten Rhein. Schon seit seiner Kindheit verbringt der Diepoldsauer unzählige Stunden am Maz. Der beliebte und auch bekannte Bade-und Erholungsort ist bis heute einer seiner Lieblingsspots in der Gemeinde. Umso mehr tut es ihm weh, wenn er mitten im Naturschutzgebiet auf Abfall stösst. «Die vielen Pet- und Glasflaschen stechen einem sofort ins Auge. Mir geht so etwas dann einfach ans Herz», sagt Martin Frei.

Abfall mitten in der Natur. Leider auch im Naturschutzgebiet Maz keine Seltenheit.

Abfall mitten in der Natur am Maz. Foto: Martin Frei

Wieso tun die Leute das?

Vor ein paar Wochen hat sich Martin Frei ein Stand-up-Paddle gekauft. «Mir kam die Idee, anstatt einfach auf Tempo zu paddeln, damit den Abfall aus dem Wasser zu fischen.» Dass aus der Tiefe so viel Müll zusammen kommt, hätte Martin frei nicht gedacht. «Auch wenn es ein gutes Gefühl ist, etwas für die Umwelt zu tun, stimmt es mich vor allem nachdenklich und traurig. Wie können die Leute so mit der Natur umgehen?»

Hirn nicht eingeschaltet

Ein Plastik-Säckli im Wasser, eine Petflasche im Schilf, aber auch Alufolie am Ufer. Nicht nur im Wasser findet man Abfall von Badegästen, an Land sei die Situation noch prekärer. «Rund um das Maz werfen die Menschen achtlos Müll in die Natur. Viele junge Leute sitzen abends und am Wochenende am Ufer. Wenn dann noch Alkohol fliesst, haben sie das Hirn nicht eingeschaltet und schmeissen ihren Müll einfach irgendwo hin», sagt Martin Frei.

TVO-Beitrag mit Martin Frei vom Dienstag, 22. Mai 2018:

Einheimische geben sich mehr Mühe

Er glaubt auch, dass das Erholungsgebiet nicht allen gleich am Herzen liegt. «Ich glaube, die Einheimischen sind etwas sensibler, was das Liegenlassen von Abfall betrifft. Den Auswärtigen ist es vielleicht weniger bewusst. Meine Botschaft geht deshalb an alle: Nehmt euren Dreck wieder mit nachhause oder entsorgt ihn richtig. Liegenlassen und ins Wasser werfen ist einfach daneben.»

Nur zwei Abfalleimer

Beim Thema «richtig Entsorgen» sieht Martin Frei auch ein Problem. «In meinen Augen hat es zu wenig Abfalleimer am Maz. Die Kübel sind zwar besser als früher, es müsste aber viel mehr davon haben.» In der Tat hat es zurzeit nur zwei Abfalleimer am Maz. Dies war jedoch ein bewusster Entscheid der Gemeinde, sagt Guido Seiz, Leiter vom Unterhaltsdienst Diepoldsau. «In der Vergangenheit hatten wir blaue Fässer am Maz, in die man den Abfall werfen konnte. Umso mehr Fässer da waren, umso mehr Abfall produzierten die Leute.»

Weniger Eimer, weniger Abfall

Somit haben sich alle Gemeinden am Alten Rhein, auf Schweizer und auf Österreicher Seite, vor drei Jahren entschlossen, weniger Eimer aufzustellen. Man hat sich für zwei sogenannte «Big Bens» entschieden, zwei Solarpressen, die den Abfall zusammenpressen. Sind diese voll, gibt es ein Signal an einen Mitarbeiter, welcher diese dann leert. «Erst hatten wir die Befürchtung, dass die Leute dann den Abfall in die Gebüsche oder ins Wasser werfen. Dies war aber mehrheitlich nicht der Fall. Der Müll hat sich sogar um die Hälfte reduziert, die Leute nehmen offenbar ihren Abfall vermehrt wieder mit nach Hause», sagt Guido Seiz. In den nächsten Monaten soll aber noch eine dritte Abfall-Presse hinzukommen.

Zusammen für ein sauberes Maz

Hinzu kämen Aufräum-Aktionen, wie beispielsweise der «Clean-Day», an dem sich Schulen und Organisationen beteiligen. «Auch diese haben letztes Jahr viel weniger Abfall eingesammelt, als in den Jahren davor», sagt Guido Seiz. Eine Tauchergruppe trifft sich ausserdem jedes Jahr, um den Altenrhein von Abfall zu befreien.

An dieser Idee möchte auch Martin Frei anknüpfen und eine «Stand-up-Paddle-Putzgruppe» gründen. «Als nächster Schritt werde ich mit der Gemeinde sprechen. Mein Wunsch wäre, eine Gruppe von zehn oder 15 Leuten zu gründen, die zweimal im Jahr mit Stand-up-Paddles den alten Rhein nach Müll absucht. Umso mehr solche Putztage es gibt, umso grösser ist die Chance, dass das wunderschöne Naturschutzgebiet Maz auch so schön bleibt.»

(kov)


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