Stimmen-Patt vor Brexit-Referendum

Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown warnt nachdrücklich vor den negativen Folgen eines Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Letzte Woche sprach sich Brown am Swiss Economic Forum in Interlaken für einen Verbleib in der EU aus. (Archivbild)
Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown warnt nachdrücklich vor den negativen Folgen eines Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Letzte Woche sprach sich Brown am Swiss Economic Forum in Interlaken für einen Verbleib in der EU aus. (Archivbild) © KEYSTONE/EPA/WILL OLIVER
Gut eine Woche vor der Volksabstimmung über einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union liefern sich Befürworter und Gegner des Brexits in Grossbritannien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Ausgang ist offen.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für die Zeitung “The Sun” lagen die EU-Anhänger mit 46 Prozent einen Punkt vor den EU-Gegnern. Im Mai hatten die EU-Anhänger noch einen Vorsprung von sechs Punkten.

Innerhalb und ausserhalb Grossbritanniens mehrten sich die Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen, sollte sich das Königreich aus dem Staatenbund lösen. Der weltweit zweitgrösste Triebwerkbauer Rolls-Royce empfahl seinen britischen Mitarbeitern, für einen Verbleib zu stimmen.

Nach der Umfrage für die “Sun” haben die Anhänger des Brexits im Vergleich zum Vormonat deutlich Boden gutgemacht. Die Gegner der EU kommen nun auf 45 Prozent, während sie in einer Erhebung vom 19. Mai noch bei 41 Prozent lagen. Umgekehrt erreichten die EU-Befürworter im Mai noch 52 Prozent – sechs Punkte mehr als im der neuesten “Sun”-Umfrage.

Besser sah es für die EU-Befürworter in den Wettbüros aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Grossbritannien in der EU verbleibe, liege derzeit bei 62 Prozent, teilte der Online-Wettanbieter Betfair mit. Am Dienstag hatte die Wettquote zwischenzeitlich nur 55 Prozent betragen. Anfang Juni lag die Quote sogar bei 76 Prozent. Das Referendum ist für den 23. Juni angesetzt.

Der britische Finanzminister George Osborne warnte, ein Brexit schade den Investitionen, den Familien und der Wirtschaft des Landes. In dem Fall müssten die Steuern angehoben und die Ausgaben in Grossbritannien gesenkt werden, erklärte er laut Auszügen aus einer vorab veröffentlichten Rede. So dürften die Einkommenssteuern um zwei bis drei Prozentpunkte erhöht werden.

Auch jenseits der britischen Grenzen nimmt die Sorge über einen EU-Austritt zu. Der Chef der Wirtschaftsweisen der deutschen Regierung, Christoph Schmidt, prognostizierte kurz- und mittelfristig erhebliche Wachstumseinbussen für Grossbritannien.

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, geht von negativen Folgen eines Brexits vor allem für die britische Wirtschaft aus. Trotzdem dürften sich die Konsequenzen eines solchen Schritts auch beim Rest der EU bemerkbar machen, sagte Dombret in Tokio. Vorhersagen zu den Auswirkungen eines Brexits seien aber mit Unsicherheit behaftet.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) im norddeutschen Kiel fürchtet ökonomische Auswirkungen für Deutschland. Durch einen Anstieg der Unsicherheit und eine niedrigere Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich könnte das deutsche Bruttoinlandprodukt (BIP) im Falle eines Brexits in den kommenden beiden Jahren um etwa ein Prozent gemindert werden, gleiches gelte für die EU als Ganzes, heisst es.

(SDA)


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