Stirbt Sex im Auto aus?

Wird in der Ostschweiz weniger im Auto miteinander geschlafen?
Wird in der Ostschweiz weniger im Auto miteinander geschlafen? © iStock
Früher trafen sich Männlein und Weiblein an lauschigen Plätzchen und ergaben sich der Leidenschaft. Oft fuhren sie dafür in ein Wäldchen oder an einen abgelegenen Ort. Heute findet man sie kaum mehr: Liebespaare, die ihrer Leidenschaft im Auto nachgehen. Stirbt Sex im Auto aus?

“Früher haben sich Liebespaare unweit von unserem Haus regelmässig geliebt”, erzählt eine Rentnerin aus Herisau. Die Autos seien wippend mit angelaufenen Scheiben im Wäldchen gestanden und man hätte tags darauf die Spuren des Liebesspiels sehen können. “Heute fährt da keiner mehr hin”, sagt sie.

Dies bestätigt Marcel Wehrlin, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei. “Früher gab es ab und zu Meldungen von solchen Vorkommnissen, heute fast aber gar keine mehr.” Auch in anderen Kantonen der Ostschweiz tönt es so.

Polizei toleriert Liebesspiel – kontrolliert es aber

Verboten sei das Liebespiel im Auto nicht, sagt Wehrlin. Solange sich niemand daran stört und keine Meldung gemacht wird, sei es kein Problem. Wer von der Polizei erwischt wird, wird aber kontrolliert: “Wir geben uns diskret zu erkennen und klären ab, ob der Akt einvernehmlich ist.” Die Polizei sei dabei an das Amtsgeheimnis gebunden und verhalte sich strikt diskret.

Liebe im Auto hat besonderen Reiz

Für den Paartherapeuten Klaus Heer hat das Liebemachen im Auto einen besonderen Reiz: “Viele Leute verbinden aufregende Erinnerungen mit dem Auto als Liebes-Schauplatz. Als man jung, gelenkig und unsäglich verliebt war und nirgendwo einen geschützten Ort hatte, wo man sich ungestört lieben konnte, bot sich das Auto als einziges sexuelles Refugium an. Diese Stimmung kann wieder aufkommen, wenn man älter ist.”

Er bezweifelt, dass das Auto als Liebes-Gemach ausgedient hat: “Das Auto bietet eine vertraute erotische Intimität und eine attraktive Nähe, die der sexuellen Erregung mächtig Brennstoff liefert. Hier kann eine Atmosphäre der Verruchtheit entstehen, die man sonst nur aus Filmen kennt. In den braven vier Wänden im heimischen Bett ist das nicht möglich. Sex im Auto ist immer ein wenig verboten und sündig. Besonders natürlich, wenn er bei einem geheimen Seitensprung zum Zuge kommt. Allemal muss man damit rechnen, dass man gesehen oder beobachtet wird. Das erhöht die Spannung, auch die sexuelle Aufregung.”

Bessere Verstecke beim Liebesspiel

Heer glaubt nicht, dass die Attraktivität schwindet, hat aber eine Erklärung für das Abnehmen der Sichtungen: “Vielleicht verstecken sich die Paare einfach besser als früher und lassen sich nicht erwischen.” Auch bei der Polizei teilt man diese These.

(rar)


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