Strassenlaternen stören die nächtliche Bestäubung

Strassenlaternen stören die nächtliche Bestäubung
© UniBE/Maurin Hörler
Unter künstlichem Licht werden Pflanzen nachts weniger bestäubt und bilden deutlich weniger Samen. Das zeigen die Experimente zweier Ökologinnen der Uni Bern, für die sie «Strassenlaternen» in den Berner Voralpen aufstellten.

Künstliches Licht von Strassenlaternen, Leuchtreklamen oder Häusern beeinflusst auch Pflanzen und Tiere: Wie Eva Knop und Leana Zoller von der Universität Bern nachweisen konnten, werden Kohldisteln im Lichtkegel einer Strassenlaterne nachts seltener von bestäubenden Insekten besucht und bilden 20 Prozent weniger Samen als ihre Artgenossen in Dunkelheit.

Nachtfalter und Käfer tragen bei ihrer nächtlichen Nahrungssuche den Pollen von Blüte zu Blüte, werden aber durch das Licht von den Blüten abgelenkt und weggelockt, erklärte Knop gemäss einer Mitteilung der Uni Bern vom Montag. «Durch das künstliche Licht haben die Pflanzen schlechtere Chancen sich fortzupflanzen», so die Ökologin.

Für ihre Experimente brauchten die Forscherinnen eine absolut dunkle Umgebung ohne Lichtverschmutzung. Deshalb stellten sie die LED-Lampen für ihr Projekt in den Berner Voralpen auf, schrieb die Uni Bern. Die Forscherinnen untersuchten im Sommer 2015 insgesamt 100 Kohldistelpflanzen, die an fünf dunklen Standorten und fünf Standorten mit den Lampen wuchsen. Die LED-Lampen entsprechen jenen in Schweizer Strassenlaternen.

Die in allen Höhenlagen bis 3000 Meter wachsende Kohldistel wird zwar auch tagsüber bestäubt. Aber «die Bestäubung am Tag kann die Verluste der Nacht nicht kompensieren», erklärte Knop gemäss der Mitteilung.

Inwiefern die Erkenntnisse auf andere Arten übertragbar sind, müssen weitere Studien zeigen. Ihre ersten Ergebnisse präsentierten die Forscherinnen am Montag an der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie in Marburg, Deutschland.

(SDA)


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