“SVP zieht den Schwanz ein”

Im Herbst wählt St.Gallen seinen Stadtrat neu. Sieben Kandidaten stellen sich für die fünf Stadtratssitze zur Verfügung. Die SVP verzichtet überraschend auf eine Kandidatur – vorerst zumindest.

Das grosse Rätseln hat ein Ende. Letzte Woche kündigte die SVP gross eine Medienkonferenz für Montag an. Inhalt: die kommende Wahlen in der Stadt St.Gallen. In der “Militärkantine” liess die Partei nun die Bombe platzen – oder besser gesagt, den Blindgänger: Denn die SVP schickt keinen Kandidaten ins Rennen um einen Sitz im Stadtrat.

Für Polit-Beobachter Reto Antenen kommt das Vorgehen überraschend. Er findet kritische Worte: “Die Partei zieht etwas den Schwanz. Das ist ein Schwächezeichen. Wenn sie gewinnen will, dann muss sie auch bei der Exekutive Kandidaten aufstellen”, sagt er.

SVP: “Nicht primär parteipolitische Überlegungen im Vordergrund”

Die SVP will jedoch am Status Quo nichts ändern, obwohl sie mittelfristig einen Sitz im Stadtrat anstrebt. Grund für den Verzicht ist die Tatsache, dass alle bisherigen Stadträte erneut zur Wahl antreten. “Bei der Wahl in die Exekutive sollen nicht primär parteipolitische Überlegungen im Vordergrund stehen, sondern die Zukunft der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger”, schreibt die Partei in ihrer Mitteilung.

Dennoch: Die SVP lässt sich ein Hintertürchen offen. Falls im ersten Wahlgang nicht alle Kandidaten gewählt werden, kann sich die Partei vorstellen, bei der zweiten Runde mit einem eigenen Kandidaten einzusteigen.

Zwei neue Kandidaten

Im Herbst kommt es dennoch zur Kampfwahl. SP und FDP streben je einen zweiten Sitz im Stadtrat an. Die 45-jährige Maria Pappa will für die Sozialdemokraten in die Regierung und die Freisinnigen haben Marcel Rotach nominiert. Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) und die Stadträte Nino Cozzio (CVP), Patrizia Adam (CVP), Peter Jans (SP) und Markus Buschor (parteilos) stellen sich zur Wiederwahl.

Maria Pappa kämpft für die SP um einen zweiten Sitz.

Maria Pappa kämpft für die SP um einen zweiten Sitz. Bild:Benjamin Manser / TAGBLATT

Stadtpräsident Scheitlin und Kampfkandidat Marcel Rotach links.

Stadtpräsident Scheitlin und Kampfkandidat Marcel Rotach (links). Tagblatt

Buschor muss zittern

Für Antenen hat die SP die beste Chance auf einen zweiten Sitz, da sie die wählerstärkste Partei der Stadt sei. Weniger gut stuft er die Chancen der SVP ein – falls diese aufs Karussell aufspringen sollte. “Die SVP würde zwar ein gutes Resultat erzielen, hätte aber derzeit wohl keine Chance auf einen Sitz im Stadtrat.”

Unbestritten ist gemäss Antenen die Wiederwahl Cozzios, Scheitlins und Jans. “Eng wird es für Markus Buschor, der als Parteiloser keine eigene Hausmacht im Rücken hat”, ist Antenen überzeugt. Aber auch der Sitz von Patrizia Adam sei gefährdet.

(red.)


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