Tapferer Schuhmacher: «Es geht schon»

Tapferer Schuhmacher: «Es geht schon»
Ein Jahr nach dem Feuer, das kurz vor Weihnachten sein ganzes Hab und Gut zerstörte, steht der Weinfelder Schuhmacher Antonio Mente immer noch vor einer Brandruine. Der Verlust seines Zuhauses und seiner Werkstatt schmerzt. Aber auch die Ungewissheit macht dem 67-Jährigen zu schaffen.

Eigentlich hoffte die Schuhmacher-Familie Mente, dass sie dieses Jahr zu Weihnachten mit einem Glühwein auf den Wiederaufbau ihres Hauses anstossen könnten. Doch daraus wurde nichts. Seit dem Brand am 22. Dezember 2016 ist das, was sie über 30 Jahre lang ihr Zuhause nannten, eine Brandruine. Noch ist nicht klar, ob und wann die Familie in ihr Haus zurückkehren kann.

«Wenigstens ist niemandem etwas passiert»

Vor allem Schuhmacher Antonio Mente hat noch immer mit dem Schicksalsschlag zu kämpfen: «Wenn ich schlafe, sehe ich die Flammen manchmal heute noch vor mir», erzählt er. Doch der 67-Jährige ist trotz allem froh, dass sein Verlust ausschliesslich materieller Art ist. «Niemand aus meiner Familie wurde beim Brand verletzt. Das ist das Wichtigste.»

Durchhaltewille und Portemonnaie werden strapaziert

Doch seit Antonio Mente den ersten Schock überwunden hatte, wurden seine Sorgen immer grösser. Der Wiederaufbau des Hauses kommt ins Stocken, weil im Boden Altlasten vermutet werden. Die Stadt Weinfelden hat das Baugesuch deshalb vorerst auf Eis gelegt. Darunter leidet nicht nur der Durchhaltewille des Schuhmachers, sondern auch sein Portemonnaie. Derzeit zahlt er drei Mieten: für die Wohnung, das vom Feuer zerstörte Haus und für die neue Schuhwerkstatt, in die er sich eingemietet hat. Eigentlich wollte er nur ein Jahr in der provisorischen Schuhmacherei bleiben, aber weil sich der Wiederaufbau auf ungewisse Zeit hinauszögert, ist Antonio Mente froh, dass er so wenigstens Arbeiten kann. «Es geht schon, es geht schon», sagt er und versucht dabei, so optimistisch und tapfer wie möglich zu klingen.

(red.)


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