“Tauben zu schiessen ist nötig”

Auf dem Markusplatz in Venedig sind die Tauben Touristenattraktion und Problem zugleich
Auf dem Markusplatz in Venedig sind die Tauben Touristenattraktion und Problem zugleich © Getty Images/Gareth Cattermole
Dieses Wochenende hat ein Taubenjäger am Bahnhof Winterthur 60 Tauben geschossen. Ein Passant, der die Aktion beobachtete, ist entsetzt. “Tauben zu schiessen ist manchmal nötig”, betonen die zuständigen Stellen in der Ostschweiz.

“Eine unglaubliche Tat. Die Taubenjäger waren mit einem langem Luftgewehr unterwegs und schossen auf die schlafenden Tauben am Hauptbahnhof”, entsetzt sich ein Lese-Reporter bei 20min.ch. Dass Tauben geschossen werden, ist aber gängige Praxis.

Mit Abschüssen Tauben-Probleme im Griff

Die Stadt Frauenfeld hatte bis vor rund sieben Jahren ein massives Tauben-Problem. “Wir haben dann einen Taubenschlag errichtet”, sagt der Werkhofleiter der Stadt Frauenfeld Markus Graf. Mit einem Taubenschlag sollen Tauben angelockt – und anschliessend kontrolliert werden. Zum Beispiel werden die gelegten Eier mit Gips-Eiern ausgetauscht, damit eine Vergrösserung der Population verhindert werden kann. “Am Anfang waren aber auch Tötungen nötig. Wir haben die alten, kranken und verletzten Tauben aussortiert”, sagt Graf. “Bei so vielen Tauben gibt es keinen anderen Weg, bei einer Vertreibung wären die Tauben sofort wieder zurück”.

Hygienische Gefährdung durch Kot

Das bestätigt Daniel Haag, Professor an der medizinischen Fakultät der Uni Basel und Taubenexperte. Bestehe durch die Tauben und ihren Kot eine hygienische Gefährdung für Menschen, müsse gehandelt werden. Das sei vielfach nur über einen Abschuss möglich.

Geholfen haben in Frauenfeld auch neue Überbauungen, dadurch haben die Tauben ihre Nistplätze verloren. Werkhofleiter Graf: “Heute können wir mit stolz sagen, dass wir kein Tauben-Problem mehr haben. Wir haben aber noch Tauben, die gehören auch in eine Stadt.”

Schuld am Abschuss sind “Tauben-Fütterer”

Ein Ärgernis sind die Tauben auch in anderen Ostschweizer-Städten im Moment nicht. Aus St.Gallen, Wil, Rapperswil oder Chur heisst es unisono: “Die Situation ist ruhig”. Problematisch seien lediglich die Personen, die Tauben füttern. Im Winter dürfte dieses Phänomen wieder zunehmen. Man suche dann jeweils den Dialog mit den Personen und versuche ihnen zu erklären, warum sie die Tauben nicht füttern sollten. “Verbieten können wir das Füttern der Tauben nicht, dazu fehlt uns eine rechtliche Grundlage”, sagt Peter Baumann, der Tierschutzbeauftragte der Stadtpolizei St.Gallen. Professor Haag geht soweit, dass er sagt, die “Tauben-Fütterer” seien für die Abschüsse verantwortlich. “Das Grundproblem liegt daran, dass die Tauben gefüttert werden, beziehungsweise durch Abfälle genügend zu fressen finden. Wenn man jemanden beschuldigen will, das Problem der Abschüsse zu verursachen, dann wären es diese Leute, die dafür sorgen, dass eine Taubenpopulation entstehen kann”. Auch in St.Gallen, Wil oder Rapperswil ordnen die Behörden, als letztes Mittel, den Abschuss der Tauben an.

Deutschland kämpft mit Greifvögeln gegen Tauben

In mehreren Städten in Deutschland macht man mit Greifvögel Jagd auf die Tauben. In Köln zum Beispiel mit Wüstenbussarden. Greifvögel sind die natürlichen Feinde der Tauben. Erblicken die “Ratten der Lüfte” einen Greifvogel, flüchten sie. Auch in Polens Hauptstadt Warschau macht man sich das zu nutzen:

(cas)

 


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