Tausende bei Trauermarsch für getöteten Dissidenten in Kambodscha

Die Leiche von  Kem Ley wird in einem geöffneten Kombi zum Verbrennungsort gebracht.
Die Leiche von Kem Ley wird in einem geöffneten Kombi zum Verbrennungsort gebracht. © KEYSTONE/EPA/MAK REMISSA
Tausende Menschen haben in Kambodscha spontan an einem Trauermarsch für den erschossenen Dissidenten Kem Ley teilgenommen. Der prominente Regimekritiker war in einem Lebensmittelgeschäft neben einer Tankstelle in Phnom Penh mit drei Schüssen niedergestreckt worden.

Die aufgebrachte Menge verlangte am Sonntag, dass die Drahtzieher zur Rechenschaft gezogen werden. “Wir wissen, dass er Probleme mit (Regierungschef) Hun Sen hatte”, sagte ein Fahrer. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen Verdächtigen fest.

Familienmitglieder fuhren den nur auf eine Matte gebetteten Leichnam auf der Ladefläche eines Kombis mit offenen Fenstern durch die Strassen. Neben dem Toten sassen Mönche. Weinende Menschen langten in den Wagen, um den Toten zu berühren. Kem Ley wurde für die buddhistische Verbrennung zum Tempel Wat Chas gebracht.

Kem Ley, ein politischer Kommentator und Aktivist, war bekannt für seine unverblümte Kritik an der Regierung des südostasiatischen Landes. Allerdings kritisierte er auch die Oppositionsparteien und warb für einen politischen Neuanfang in dem von Korruption geprägten Land.

Derzeit herrschen zwischen der Regierung von Ministerpräsident Hun Sen und seinen Gegnern starke Spannungen. Die Opposition wirft der Regierung vor, wieder verstärkt gegen ihre Kritiker vorzugehen. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Regierungskritiker und Menschenrechtsaktivisten festgenommen. Andere müssen sich in langwierigen Prozessen vor Gericht verantworten.

Kambodscha hat zudem eine lange Geschichte von Morden an Regierungskritikern. Die Täter werden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Hun Sen, ein früherer Kommandant im Kampf gegen die Roten Khmer, regiert seit 31 Jahren. Seine Kritiker werfen ihm Korruption, Wahlbetrug und Menschenrechtsverletzungen vor.

Die im Kampf gegen Korruption engagierte Organisation Global Witness bezichtigte Hun Sen und seine Familie gerade in einem Bericht, das Land zur eigenen Bereicherung auszubeuten. “Hun Sen … unterdrückt die politische Opposition durch Mord, Folter und willkürliche Einsperrung von Kritikern”, heisst es in dem Bericht, den die Regierung als Lügengespinst zurückwies.

(SDA)


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