Tennis-Oktoberfest in der St. Jakobshalle

Rafael Nadal gibt sich in Basel vor seinem Startspiel gegen Lukas Rosol gut gelaunt
Rafael Nadal gibt sich in Basel vor seinem Startspiel gegen Lukas Rosol gut gelaunt © KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Erstmals in der 45-jährigen Geschichte der Swiss Indoors Basel wird die Setzliste von zwei Schweizern angeführt. Heute Abend eröffnet mit Rafael Nadal einer von acht Top-20-Spielern das Turnier.

Logistisch waren die Vorbereitungen auf die 46. Austragung der Swiss Indoors eine besondere Herausforderung. In diesem Sommer hat die Sanierung der St. Jakobshalle, seit 1975 Heimstätte des Turniers, begonnen und wird sich bis 2017 hinziehen. Alles muss minutiös geplant werden, der Platz für Anlieferungen ist beschränkt. Alles in allem und im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen in der Halle ist das Tennis von den Bauarbeiten nur am Rande betroffen. Es wird um den mit einem Budget von rund 18 Millionen Franken grössten jährlich stattfindenden Schweizer Sportanlass herum geplant.

Auf die Qualität des Teilnehmerfeldes hat der 100-Millionen-Umbau keinen negativen Einfluss. Mit scheinbarer Leichtigkeit lotsen Turnierdirektor Roger Brennwald und seine Crew Jahr für Jahr Topspieler nach Basel. Dass derzeit gleich zwei Schweizer in den Top 4 der Weltrangliste vertreten sind, ist selbstredend hilfreich. Genauso wie der Umstand, dass in der kommenden Woche die einzige Konkurrenzveranstaltung das Turnier in Valencia ist, das seinen 500er-Status für 1,2 Millionen Euro an Wien verkauft hat. Ab dem kommenden Jahr sind Basel und Wien in der gleichen Woche angesetzt.

Während andere Turniere auf der ATP-Tour darum kämpfen müssen, zumindest ein Zugpferd zu verpflichten, haben die Swiss Indoors gleich drei. Heute Abend eröffnet Rafael Nadal um 18.30 Uhr offiziell das Turnier, am Dienstag hat Roger Federer seinen ersten Auftritt, und am Mittwoch ist dann Stan Wawrinka an der Reihe. Mit Kevin Anderson, Richard Gasquet, John Isner, Marin Cilic, Gilles Simon, David Goffin, Dominic Thiem und Ivo Karlovic sind acht weitere Top-20-Spieler am Start.

Nur noch Tickets für Montag und Mittwoch

Roger Federer trainierte am Donnerstag, neun Tage nach seinem frühen Ausscheiden in Schanghai, erstmals in der St. Jakobshalle, wo er seinen sechsten Titel des Jahres anstrebt. Sein Heimpublikum enttäuschte der 17-fache Grand-Slam-Sieger in den letzten Jahren so gut wie nie. Seit 2006 stand er immer im Final; sechsmal nahm er die Siegertrophäe entgegen. Getrübt wurde die Beziehung zwischen Federer und den Swiss Indoors einzig durch einen zwischenzeitlichen Zwist mit Turnierdirektor Brennwald, der aber beigelegt ist. Für die kommenden zwei Jahre ist Federer wieder vertraglich an das Turnier gebunden und geht somit wieder gewisse Sponsoren-Verpflichtungen für das Turnier ein.

Federer wird von Albert Hammond, dem englischen Songwriter, der am am Montagabend für den traditionellen Show-Act zuständig ist, einen Check für seine Stiftung entgegennehmen können. Für Montag mit Nadal und Hammond als Hauptattraktionen und Mittwoch mit Wawrinkas Erstrunden-Match sind noch Tickets erhältlich. Alle anderen Tage sind bereits ausverkauft. Es werden über die gesamte Woche wieder über 70’000 Zuschauer in die St. Jakobshalle strömen.

Nadal und Wawrinka unter Erwartungsdruck

Nadal und Wawrinka haben dem Basler Publikum noch etwas zu beweisen. Der Spanier gewann bei drei Teilnahmen nur zwei Partien, hat dafür aber mildernde Umstände vorzubringen: 2003 und 2004, als er in der 1. Runde scheiterte, war er noch ein Teenager, und im letzten Jahr reiste er mit einem entzündeten Blinddarm an, der schliesslich keine zwei Wochen nach seinem Viertelfinal-Out gegen den Kroaten Borna Coric entfernt werden musste.

In diesem Jahr ist Nadal aber in guter Verfassung angereist. Seine Formkurve zeigt nach oben. In Asien erreichte er zuletzt in Peking den Final und in Schanghai den Halbfinal. Am Freitag trainierte der 29-Jährige aus Mallorca mit dem Schweizer Henri Laaksonen, der wie Marco Chiudinelli mit einer Wildcard den Weg ins Hauptfeld fand. Das Tableau wird heute (Samstag) ausgelost.

Mit Ausnahme von Federer konnten die Schweizer in den letzten Jahren in Basel nicht viel reissen. Überraschend ist das vor allem im Fall von Wawrinka, dem Australian-Open-Sieger 2014 und French-Open-Gewinner 2015. Der Waadtländer scheiterte in den letzten drei Jahren jeweils in der 1. Runde. Sein bestes Resultat erreichte er in Basel 2006, als er erst im Halbfinal gegen Federer verlor.

(SI)


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