Thurgauerin sucht ihre Krankenschwester

Mit diesem Bild versucht eine Thurgauerin ihre Krankenschwester zu finden.
Mit diesem Bild versucht eine Thurgauerin ihre Krankenschwester zu finden. © TVO
Eine Ostschweizerin sucht eine Krankenschwester, die ihr vor einem halben Jahrhundert zur Seite stand und sie in einer der schwersten Momente in ihrem Leben unterstützte. Marianne Michels berührende Geschichte beschäftigt auch das Kinderspital St. Gallen. Auch dieses beteiligt sich nun an der Suche.

«Ich suche schon mein ganzes Leben nach ihr und hoffe, sie zu finden», sagt die heute 52-jährige Marianne Michel aus Neukirch-Egnach mit etwas unsicherer Stimme. Die Frau, welche ledig den Namen Enderlin trug, sucht ihre Krankenschwester, die sie vor einem halben Jahrhundert als Baby auf dem Arm hielt.

Als Baby von der Mutter getrennt – Schwester gab Wärme

Als Marianne Enderlin zur Welt kam, hatte sie einen offenen Bauch und musste als Säugling von ihrer Mutter getrennt werden. Die Ärzte gaben ihr wenig Hoffnung. Doch das Baby konnte im Berner Inselspital operiert werden, was ihr das Leben rettete. Die heute erwachsene Frau ist zwar gesund, doch blieb eine unsichtbare Narbe im Gemüt der Thurgauerin. Da ihre Mutter sie damals nicht viel besuchen konnte, wurde sie von einer Schwester betreut.

Die ständige Angst verlassen zu werden

Diese war damals die einzige menschliche Konstante im jungen Leben von Marianne. Heute leidet sie unter einer ständigen Angst, verlassen zu werden. Diese Angst begleitete Marianne ihr Leben lang und wurde verstärkt, als ihr Mann kürzlich verstorben ist. Marianne entschied sich, den einzigen Menschen zu suchen, der für sie da war als ihr Leben begonnen hat: Ihre Krankenschwester, von der sie nur noch ein altes vergilbtes Bild und das warme Gefühl der Geborgenheit hat.

Kinderspital sucht in der Vergangenheit

Im St. Galler Kinderspital kennt man die Absicht der Frau und versucht zu helfen: «Es ist ziemlich schwierig, eine Krankenschwester von vor so langer Zeit ausfindig zu machen, da aus dieser Zeit keine Akten mehr vorhanden sind», sagt Brigitta Oertle, Leiterin Pflege und Betreuung am Kinderspital St. Gallen. Sie will nun ehemalige Krankenschwestern befragen, um die Identität der Retterin von Marianne Michel zu klären.

(rar)


Newsletter abonnieren
2Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel