“Tierschützer wollen nur Aufmerksamkeit”

Die Löwennummer beim Circus Royal sei erniedrigend und verstosse gegen die Würde des Tieres, behauptet die Stiftung für das Tier im Recht. Sie hat deshalb Anzeige erstattet. Die Zirkusleitung weist die Vorwürfe zurück. Den Löwen gehe es gut.

Erneut klagt eine Tierschutzorganisation den Zirkus Royal an. Die Löwen seien gestresst, werden zu fest belastet und entwürdigend behandelt – dies die Vorwürfe, welche die Stiftung für das Tier im Recht gegen den Circus Royal erhebt und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft St.Gallen erstattet hat. “Wir haben uns die Vorstellungen einige Male angeschaut und anhand eines Prüfschemas analysiert. Dabei haben wir ganz klar Würdeverstösse festgestellt”, sagt Gieri Bolliger, Geschäftsleiter der Stiftung für das Tier im Recht.

“Dies ist die Masche der Stiftung. Immer, wenn sie neue Spendengelder brauchen, kommen sie mit solchen Aktionen”, sagt Oliver Skreinig, der Direktor vom Circus Royal. Eine Organisation wie die Stiftung für das Tier im Recht habe einen hohen Kostenfaktor, deshalb seien sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

“Wir halten unsere Tiere wie im Zoo”

Er kann die Anschuldigungen gegen seine Löwennummer nicht verstehen. “Ich habe ein reines Gewissen und bin ruhig.” Der Circus Royal habe die grösste mobile Raubtieranlage und die Tiere würden nach dem aktuellen Tierschutzgesetz gehalten: “Unsere Gehege sind gleich gross wie die eines Zoos.”

Deshalb wundert sich Oliver Skreinig über das Vorgehen der Tierschützer: “Dort beschäftigen sich Juristen mit dem Thema, diese sollten wissen, dass wir uns innerhalb der gesetzlichen Schranken bewegen.”

Den Löwen wird es nicht langweilig

Nicht nur gesetzlich bewege sich der Zirkus im legalen Bereich, die Tieren würden sich auch wohl fühlen: “Verhaltensforscher haben verschiedene Stresstests durchgeführt. Diese haben ergeben, dass die Löwen unter keinerlei Stress leiden und auch nicht überbeansprucht werden. Dies können Gutachten darlegen.”

Wie der Zirkusdirektor ergänzt, hätten die Löwen lediglich einen Feind. Diesen hätten aber auch Hunde oder Hamster: die Langeweile. “Langeweile kann zu Verhaltensstörungen führen – dies ist aber bei keinem unserer sieben Löwen der Fall.”

Jedes Haustier wird unterdrückt

Einer der schwerwiegendsten Vorwürfe der Stiftung für das Tier im Recht, ist die Entwürdigung des Tieres. Der Mensch werde verherrlicht, das Verhältnis zwischen Löwen und Menschen verharmlost. Auch diese These sei alles andere als richtig, sagt Skreinig: “Ich kann kein Tier entwürdigen, wenn ich in der Manege das gleiche tue, was das Tier auch in der Wildnis tun würde.” Das Tier werde keinen unnatürlichen Qualen ausgesetzt. Im Gegenteil, die Tricks würden extra so konstruiert, dass sie dem natürlichen Verhalten des Tieres entsprechen.

“Jedes Haustier, sei es ein Hund oder ein Meerschweinchen, wird zum Teil unterdrückt, damit das Zusammenleben mit dem Menschen überhaupt funktioniert. Ist das entwürdigend für das Tier?”, fragt Oliver Skreinig. Ein Löwe sei nicht anders, für ihn sei der Zirkus das Zuhause. “Warum hat die Haltung eines Löwen mehr Wert, als die eines Hundes?”

Wer Recht hat, zeigt das Gericht

Im Moment steht Aussage gegen Aussage. “Wir errechnen uns sehr gute Chancen”, sagt Gieri Bolliger, “alles wurde juristisch abgeklärt und hat Bestand. Es besteht ganz klar eine Würdeverletzung. Solche Nummern müssen verboten werden.” Der Trend, Raubtiernummern vorzuführen sei vorbei. Die Zuschauer würden keine wilden Tiere im Zirkus mehr sehen wollen.

Ganz anderer Meinung ist der Zirkuschef: “Unseren Löwen geht es gut.” Dies werde auch die Staatsanwaltschaft feststellen. Diese hat die Anzeige erhalten, wird sie prüfen und gegebenenfalls Ermittlungen einleiten.

(abl)


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