Tod eines Bürgerrechtlers in Argentinien sorgt für Wut

Traurige Gewissheit: Der in Argentinien seit Wochen vermisste Politaktivist und Tattoo-Künstler Santiago Maldonado ist tot. (Archivbild)
Traurige Gewissheit: Der in Argentinien seit Wochen vermisste Politaktivist und Tattoo-Künstler Santiago Maldonado ist tot. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/NATACHA PISARENKO
Kurz vor der Parlamentswahl in Argentinien sorgt der Tod eines Bürgerrechtsaktivisten für Proteste. Die Leiche des seit mehr als zwei Monaten Vermissten wurde in einem Fluss gefunden. Angehörige identifizierten ihn am Freitag anhand von Tätowierungen.

Der ältere Bruder von Santiago Maldonado sprach am Freitag vor der Leichenhalle in Buenos Aires, wo er den Leichnam seines Bruders sehen konnte. «Wir haben Santiagos Tattoos erkannt, so dass wir sicher sind, dass er es ist», sagte Sergio Maldonado.

Vor dem Gebäude strömten zahlreiche Menschen zusammen, die Blumen niederlegten und Kerzen im Gedenken an den 28-Jährigen entzündeten. Unter dem Schlagwort «Santiago» gab es zahlreiche Botschaften auf Twitter. Auf der Plaza de Mayo im Herzen von Buenos Aires versammelten sich mehrere hundert Demonstranten, um des Todes des jungen Mannes zu gedenken.

Die Todesursache ist nicht bekannt. Die Autopsie sei für die kommenden Tage geplant und werde weitere Erkenntnisse bringen, sagte der Bruder des Toten. Der Leichnam war am Dienstag im Fluss Chubut entdeckt worden, der die gleichnamige Provinz in Patagonien durchquert.

Der 28-jährige Tattoo-Künstler Santiago Maldonado war am 1. August bei einem Protestmarsch der Mapuche-Ureinwohner von Militärpolizisten festgenommen worden; seither war er nicht mehr gesehen worden. Die Mapuche protestierten gegen den Verkauf des von ihnen beanspruchten Landes an den italienischen Grossgrundbesitzer Luciano Benetton, der in Patagonien rund 900’000 Hektar Land besitzt.

Das Verschwinden des Kritikers rief böse Erinnerungen an die Zeit der Militärjunta (1976-1983) wach. Unter deren Herrschaft wurden in Argentinien 30’000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos.

Staatschef Mauricio Macri sprach der Mutter des Opfers am Freitag sein Beileid aus, wie Justizminister Germán Garavano im Sender TN sagte. Bei der Familie kam das nach Angaben der Schwägerin Maldonados nicht gut an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die Regierung auf, «eine unabhängige Untersuchung zu garantieren».

Die Regierung von Präsident Mauricio Macri steht unter Druck. Er hatte den Leichenfund zunächst nicht kommentiert, sondern sandte seinen Menschenrechtsbeauftragten Claudio Avruj in die Provinz. Dort wurde der Wagen des Ministers mit Steinen beworfen.

Die Argentinier sind am Sonntag aufgerufen, die Hälfte der Abgeordneten im Unterhaus sowie ein Drittel der Senatoren neu zu wählen. Es wird damit gerechnet, dass Macris Mitte-Rechts-Bündnis gestärkt aus den Wahlen hervorgeht. Alle politischen Parteien stellten nach dem Fund der Leiche die Wahlkampagne ein.

(SDA)


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