Toni Brunners Freundin soll es richten

Die SVP hat alle überrascht: Nicht Toni Brunner oder Mike Egger soll für die Partei einen zweiten Sitz in der St.Galler Regierung erobern, sondern die 38-jährige Esther Friedli, die Freundin von Toni Brunner, die erst seit gestern Parteimitglied ist.

Der stärksten Partei im Kanton ist heute ein Coup gelungen. Sie hat eine Kandidatin aus dem Hut gezaubert, die niemand auf der Rechnung hatte. Die SVP steigt mit Esther Friedli in den zweiten Wahlgang. Doch wer ist sie? Als Politikerin trat sie bislang nie in Erscheinung. Sie ist erst seit gestern überhaupt SVP-Parteimitglied.

Unter Stefan Kölliker war Esther Friedli bis 2014 fast sechs Jahre als Generalsekretärin im Bildungsdepartement zuständig. Die langjährige Lebensgefährtin von SVP-Präsident Toni Brunner ist gelernte Kommunikationsfachfrau und sagte damals, als sie das Bildungsdepartement verliess: “Ich gehe sicher nicht mehr in eine Verwaltung.”

Das ehemalige CVP-Mitglied Friedli betonte stets, dass sie Beruf und Privates strikt trenne. “Das Amtsgeheimnis gilt auch zu Hause”, sagte sie 2014 gegenüber dem St.Galler Tagblatt.

Wahlkampfleiterin von Huser

Bei den Nationalratswahlen 2015 hat Friedli, die sich damals noch als parteilos bezeichnete, SVP-Kandidat Roger Köppel beraten. Zu diesem Zweck hatte sie zusammen mit Toni Brunner die Polestica GmbH in Ebnat-Kappel gegründet. Brunner sagte zum “Blick” zur Gründung der Beratungsfirma: “Ich bin stolz, dass Esther nach dem Abstecher in die Verwaltung wieder in der freien Marktwirtschaft tätig ist.” Friedli hat auch den Wahlkampf von Herbert Huser geleitet.

An der Nominationsorientierung fanden die Parteigrössen wie Michael Götte und Stefan Kölliker, ihr Ex-Chef im Bildungsdepartement, logischerweise nur positive Worte. Götte sagte, sie sei konsensorientiert und führungserfahren.

Die Stadtbernerin als Landpolitikerin

Mit Friedli spielt die SVP die Frauenkarte im Wahlkampf aus. Die Partei will den Frauenanteil in der Regierung erhöhen. Zudem soll die gebürtige Stadtbernerin, die seit 2007 im Toggenburg lebt, die ländliche Region in der Regierung vertreten.

Und nachdem die Partei gestern das Klanghaus abgeschossen hat, besitzt sie offenbar doch ein Herz für die gebeutelte Randregion. Mit Friedli soll nach 16 Jahren das Toggenburg in der Regierung vertreten sein.

Der zweite Wahlgang findet am 24.April statt. Friedli tritt gegen Favorit Marc Mächler (FDP) und Aussenseiter Andreas Graf (Parteifrei) an.

(dsc)


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