Transexueller am Bahnhof verprügelt

Hier erreignete sich der tätliche Angriff.
Hier erreignete sich der tätliche Angriff. © KEYSTONE/Arno Balzarini
Der vergangene Sonntag wird Björn von Ow und Milla Tinner in Erinnerung bleiben. Der Homosexuelle und sein transexueller Kollege wurden am Bahnhof Sargans brutal verprügelt. Einige Passanten haben das mitbekommen, geholfen wurde den beiden jedoch nicht.

Die Situation am Bahnhof in Sargans geriet am Wochenende ausser Kontrolle. Björn von Ow war am Sonntag mit seinem Kollegen unterwegs, als sie von einem Betrunkenen angepöbelt wurden. Dieser habe sie laut 20 Minuten als “Scheiss Schwuchteln” bezeichnet. Als von Ow den Betrunkenen dazu aufforderte, damit aufzuhören, geriet die Situation ausser Kontrolle. Der 22-Jährige sei vom Betrunkenen ins Gesicht geschlagen worden.

Daraufhin alarmierte sein Kollege Milla Tinner die Polizei. Diese habe vor Ort jedoch nichts unternommen. Sie habe lediglich gesagt, die beiden sollen eine Anzeige aufgeben und zum Arzt gehen.

Die Geschichte war damit aber noch nicht gegessen: Der Betrunkene hatte mitbekommen, dass die Polizei verständigt wurde und schlug den transexuellen Milla Tinner brutal zusammen. Die beiden hätten sich schliesslich in einen Kiosk retten können. Während des Prügels waren mehrere Passanten in der Nähe, keiner habe den beiden jedoch geholfen. “Zivilcourage war da wohl kein Thema”, sagt von Ow. Auch auf Facebook versucht Milla Tinner Personen zu finden, die etwas gesehen haben.

 

Die Polizei bestätigt den Vorfall, schildert ihn aber etwas anders. Als die Polizei am Bahnhof vorbeifuhr, seien die betroffenen Personen mit dem Handy beschäftigt gewesen. Die Personen seien nicht auf der Suche nach Hilfe gewesen und hätten auch nicht auf sich aufmerksam gemacht, sagt der Kapo-Sprecher Gian-Andrea Rezzoli. Da es auch sonst keine Hinweise auf eine tätliche Auseinandersetzung gab, sei die Patrouille weitergefahren.

Milla Tinner zog sich aus der Prügelei eine Platzwunde über dem Auge zu, ausserdem habe er noch immer Kopfschmerzen. Noch am gleichen Tag habe er Anzeige gegen Unbekannt gemacht. “Mit Kampfbarbies sollte man sich nicht anlegen”, schreibt er auf Facebook.

(red)


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