Trotz Sieg: FCSG kann Zweifel nicht beseitigen

Von Marco Latzer
Trotz Sieg: FCSG kann Zweifel nicht beseitigen
© Auf Biegen und Brechen: Der St.Galler Mario Mutsch (links) im Duell mit Hopper Mirko Basic. Bild: Keystone
Die ersten Punkte sind unter Dach und Fach. St.Gallen kann nach dem erkämpften 2:1 gegen GC ein erstes Mal durchatmen. Die vielen Probleme im Spielaufbau konnten die effizienten Espen aber wiederum nicht verbergen. Dagegen ist Frage nach dem Matchwinner schnell geklärt – hier geht es zur Spielerbewertung.

Das Positive vorab: Für einmal agiert der FC St.Gallen effizient vor dem gegnerischen Kasten. Aus wenigen Möglichkeiten resultierten gleich zwei Tore. Dafür gibt es die ersten drei Punkte der noch jungen Saison und die rote Laterne wandert von Joe Zinnbauer weiter zu Jeff Saibene nach Thun.

Tor:

Daniel Lopar. Note: 2,5. Über weite Strecken beschäftigungslos, seine schwachen Abschläge provozierten das Publikum mehrmals zu Pfiffen. Dazu sein unmotivierter Ausflug gegen Caio kurz vor Ende der Partie, der dem FCSG das 1:2 einbrockte. Ganz klar: Nach dem Aussetzer gegen Sion folgte somit gegen GC der nächste Patzer. Hat dadurch seiner erste weisse Weste der Saison verschenkt.

Verteidigung:

Silvan Hefti. Note: 3,5. Mehr oder weniger solide Leistung auf seinem Flügel. Nicht immer ganz stilsicher, ab und an mit unnötigen Fehlern. Bei Rückpässen ausgepfiffen, was Trainer Zinnbauer auf die Palme bringt. “Der Mann ist gerade einmal 18 Jahre alt. Ich kann das beim besten Willen nicht verstehen!”

Alain Wiss. Note: 4,5. Der stärkste Player im Abwehrverbund. Kopfballstark, kompromisslos und als Chef hinten drin. Ehrliches Statement nach dem Spiel: “Wir haben schon gemerkt, dass GC 120 Minuten Europa League in den Füssen hatte.”

Martin Angha. Note: 3,0. Wirkte völlig verunsichert und bleibt in dieser Verfassung ein steter Gefahrenherd. Wirkte teilweise gar panisch. Wollte Fehler um jeden Preis verhindern, was ihn blockierte und die Fehlerquote letztlich gar noch gesteigert hat.

Kofi Schulz. Note: 3,5. Kein gutes Spiel des Neuzugangs. Wurde mehrere Male überlaufen, verlor öfters seinen Gegenspieler aus den Augen. Positiv: Löste den einen oder anderen Angriff aus, was allerdings sekundär ist, wenn er in der Verteidigung seine Hausaufgaben nicht erledigt bekommt.

Mittelfeld:

Marco Aratore. Note: 3,5. Wirblig und schnell wäre er ja. Trotzdem kamen von ihm auch gegen GC wieder zu wenige offensive Impulse – von einem Fernschuss in der ersten Halbzeit einmal abgesehen. Konnte seine Kollegen im Sturm kaum mit Bällen füttern. In der 64. Minute für Gouaida ausgewechselt, der ebenfalls nicht zu überzeugen vermochte.

Toko. Note: 4,5. Aggressivleader im Mittelfeld, gewohnt zweikampfstark und in erster Linie eine Absicherung gegen hinten. Der Captain erfüllte damit die Erwartungen des Trainers: “Der hat ein ganz starkes Spiel gemacht”, so Zinnbauer. Die Tatsache, dass die Mannschaft nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung in der 68. Minute noch einmal gehörig ins Schwimmen kam, gibt dem Coach diesbezüglich recht.

Mario Mutsch. Note: 4,0. Auch er ist beim besten Willen kein eigentlicher Ballverteiler. Trotzdem gelang ihm das eine oder andere öffnende Pässchen. Das gibt Hoffnung: Denn seinen Part gegen hinten erfüllte er in befriedigender Manier.

Yannis Tafer. Note: 5,0. Wenn es einen Matchwinner gibt, dann ist es er. Über weite Strecken zwar nicht besonders auffällig, aber immer dann involviert, wenn es drauf ankommt. Entscheidender Pass zum 1:0 und dann die Zauber-Freistosskiste via Pfosten zum zwischenzeitlichen 2:0. Diese zwei Aktionen alleine rechtfertigen seineBewertung. Wirkte nach dem Spiel erleichtert und strahlend: “Das 1:0 hat bei uns den Knopf gelöst”, sagte der Franzose.

Sturm:

Seifedin Chabbi. Note: 4,0. Ein nicht ganz geglücktes Debüt in der Startformation. Wirkte engagiert und lauffreudig, vermochte seine Leistung aber nicht mit einem Tor zu krönen. Vergab gute Möglichkeiten, die das Spiel hätten vorentscheiden können. Könnte Bunjaku seinen Rang ablaufen.

Roman Buess. Note: 4,5. Nach zwei Spielen in absoluter Anonymität mit einem deutlichen Lebenszeichen. Endlich bekam er den einen oder anderen Ball und profitierte davon, dass Zinnbauer ihm einen Sturmpartner zur Seite stellte. Belohnte sich mit einem Tor – nicht zuletzt dank seinen zweifellos vorhandenen Goalgetter-Qualitäten.

FM1Today-Teamschnitt: 3,87

Fazit: Die ersten Punkte der Saison sind für den FC St.Gallen rühmliche Tatsache. Danach, wie der Sieg eingefahren wurde, kräht schon in ein, zwei Tagen kein Hahn mehr. Das Spielglück in einem eigentlich ausgeglichenen Spiel fiel unmittelbar vor dem Pausenpfiff und dem Tor von Buess in die Füsse des FCSG. Prompt folgte das 2:0 kurz nach Wiederanpfiff. Das könnte darüber hinwegtäuschen, dass viele Espen-Probleme noch immer in Akutform vorhanden sind. Ein Ballverteiler wird schmerzlich vermisst, das Angriffsmuster mit hohen Bällen in die Spitze ist äusserst durchschaubar und hinten sind die Grün-Weissen immer für ein Blackout zu haben.

Trainer Joe Zinnbauer wirkte nach dem Spiel “angefressen”, wie er selber sagt. Darüber, dass die Mannschaft es noch einmal brenzlig werden liess und über kritisch eingestellte Zuschauer und Journalisten.

Seine Jungs haben es am Donnerstag in den Füssen, die Wogen für den Moment zu glätten. Mit einem “Dreier” in Lausanne könnte sich der älteste Fussballclub Kontinentaleuropas in die Meisterschaft zurückspielen. Aber eben: Auch gegen die Waadtländer ist Vorsicht geboten. Diese können nach ihrem überraschenden 3:1 in Sion als Aufsteiger sorgenlos und frisch aufspielen.


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