Trotz Sieg: Mässige Noten für Dusel-Espen

Von Marco Latzer
Jubelnde Espen: Die Spieler des FC St.Gallen lassen sich nach dem 2:1 gegen Thun von ihren Fans feiern.
Jubelnde Espen: Die Spieler des FC St.Gallen lassen sich nach dem 2:1 gegen Thun von ihren Fans feiern. © KEYSTONE/Peter Schneider
Die Zinnbauer-Elf entscheidet das Kellerduell gegen Thun mit 2:1 zu ihren Gunsten. Für einmal agierten die Grün-Weissen ziemlich effizient, während ihr Gegner zahlreiche Chancen ausliess. Trotzdem: So richtig entzückend war dieses “Kampfspiel” nicht. Hier geht es zu den Spielernoten.

Tor:

Daniel Lopar. Note: 5,0. Gutes Spiel des St.Galler Keepers. Hinterliess über 90 Minuten einen soliden und wachen Eindruck, war immer zur Stelle, als es ihn brauchte. Vereitelte mehrere Chancen in bravouröser Manier. Beim Gegentor absolut chancenlos. Daumen hoch – weiter so!

Verteidigung:

Andreas Wittwer. Note: 4,5. Stand gegen seinen Ex-Club in der Startformation, weil Schulz gesperrt war. Wusste die Gunst der Stunde zu nutzen und zeigte ein engagiertes Spiel. Vorlagengeber beim kurzzeitigen Führungstreffer von Bunjaku. Müsste mit diesem Auftritt Konkurrent Schulz, der zuletzt eine totale Enttäuschung war, eigentlich vorerst auf die Bank verbannen.

Roy Gelmi. Note: 4,0. Ein durchzogener Auftritt des letztjährigen Senkrechtstarters. Leistete sich die eine oder andere Unsicherheit, blieb glanzlos. Verdikt: knapp genügend.

Karim Haggui. Note: 3,5. Konnte sich und seine Kollegen nur wenige Sekunden nach der Espen-Führung trotz seiner Erfahrung nicht vom Kollektiv-Pennen abhalten. Muss seine Form erst noch finden. Hoffentlich gelingt ihm das auch bald.

Silvan Hefti. Note: 4,0. Ähnlich überzeugend wie Wittwer auf der anderen Seite. Mit dem Unterschied, dass dieser halt offensiv etwas wirkungsvoller in Erscheinung trat.

Mittelfeld:

Marco Aratore. Note: 4,5. Eigentlich ganz okay. Eine Halbzeit lang ziemlich inkognito unterwegs, nach dem Seitenwechsel aber deutlich verbessert und gegen Schluss gar ein Aktivposten. Lieferte die Vorlage zum siegbringenden 2:1 durch Ajeti.

Toko. Note: 3,5. Für einmal ein eher diskretes Spiel des Espen-Fighters und Captains. Zuletzt war er absoluter Leistungsträger; gegen Thun holten andere für ihn die Kohle aus dem Feuer.

Gianluca Gaudino. Note: 4,0. War wohl der grün-weisse Spieler mit den meisten Ballkontakten. Bot sich viel an, spielte ebenso viele Pässe. Endlich mal so etwas wie eine Aufwärtstendenz bei der mit Vorschusslorbeeren überhäuften Bayern-Leihgabe, welche die Fans bislang noch kaum zu verzücken vermochte.

Yannis Tafer. Note: 2,0. Der nächste miserable Auftritt des Franzosen. Zog auch gegen Thun einen sang- und klanglosen Abend ein; das Spiel lief völlig an ihm vorbei. Scheint seine ganze Genialität zusammen mit dem abhanden gekommenen Spielwitz in der letzten oder vorletzten Saison vergessen zu haben. Der schwächste St.Galler auf dem Platz! Nach 69 Minuten durch Lucas Cueto ersetzt.

Sturm:

Albert Bunjaku. Note: 4,0. Erhielt mal wieder eine Chance in der Startformation und wusste sie tatsächlich zu nutzen. Rackerte und kämpfte sich mit viel Einsatz durch das ganze Spiel – und belohnte sich gar mit einem Tor. Sicher ein tolles Gefühl für den einstigen Chancentod. Weiter so!

Roman Buess. Note: 2,5. Ähnliche Grundvoraussetzungen wie bei seinem Sturmpartner. Doch anders als Bunjaku blieb Buess komplett abgemeldet und vermochte sich selbst überhaupt nicht in Szene zu setzen. Eine Viertelstunde vor Schluss durch Albian Ajeti ersetzt, der noch glatt den 2:1-Siegtreffer buchte. Hoppla, da bahnt sich wohl ein Konkurrenzkampf an…

FM1Today-Teamschnitt: 3,77

Fazit: Ganz wichtige drei Punkte für Trainer Joe Zinnbauer und seine Truppe. Die rote Laterne bleibt im Berner Oberland beim bemitleidenswerten Jeff Saibene. Defensiv zeigten sich die Ostschweizer besser als auch schon. Und trotzdem: Thun erspielte sich ein Chancenplus, traf einmal nur den Pfosten und hätte sich zumindest ein Unentschieden eigentlich verdient gehabt. Für einmal hatte der FCSG das Glück des (mehr oder weniger) Tüchtigen auf seiner Seite. Dass beide Teams in der ersten Halbzeit Fussball zum Abgewöhnen gezeigt haben, sei an dieser Stelle auch nochmals erwähnt.

Zinnbauer kann mit den drei Punkten im Gepäck etwas durchschnaufen. Auch weil jetzt Basel (heim) und YB (auswärts) als nächste Gegner auf seine Jungs warten, wo wohl nur die grössten Optimisten ernsthaft mit weiterem Zuwachs auf dem Punktekonto rechnen. Niederlagen gegen die Top-Teams der Liga dürften gemäss Logik von Präsident Früh erst recht keinen Kündigungsgrund liefern.

Ebenfalls wichtig: Der leidenschaftliche Espen-Anhang wäre bei einer Klatsche gegen Thun wohl noch vehementer auf Anti-Zinnbauer-Kurs gegangen. Worst case abgewendet, dürfte sich der Deutsche denken. Also zumindest vorerst.


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