Trumps Sohn heizt mit E-Mails Russland-Affäre an

Aufregung um ein Treffen mit einer russischen Anwältin: Donald Trumps ältester Sohn will dazu vor dem Geheimdienstausschuss aussagen. (Archivbild)
Aufregung um ein Treffen mit einer russischen Anwältin: Donald Trumps ältester Sohn will dazu vor dem Geheimdienstausschuss aussagen. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/CAROLYN KASTER
US-Präsident Donald Trump könnte nach einer neuen Enthüllung in der Russland-Affäre weiter unter Druck geraten. Sein Sohn veröffentlichte am Dienstag E-Mails, laut denen die russische Staatsanwaltschaft im Wahlkampf belastendes Material über Hillary Clinton anbot.

Donald Trump Junior machte im Kurznachrichtendienst Twitter einen E-Mail-Wechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone publik, der nach seinen Angaben zur Begegnung mit einer russischen Anwältin führte. Er wolle damit Transparenz schaffen, erklärte der Präsidentensohn.

Goldstone meldete sich laut den Dokumenten am 3. Juni 2016 bei Trump Junior. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater dieses Klienten getroffen habe und diesem Dokumente und Informationen über Clinton für Trumps Wahlkampfteam angeboten habe.

“Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump (…)”, heisst es in der E-Mail weiter.

Trump Jr. antwortete am selben Tag: «Es sieht so aus, als ob wir Zeit hätten, und wenn es das ist, was Du sagst, liebe ich es.» Im weiteren Schriftverkehr vereinbarten beide dann einen Termin.

Goldstone vertritt als Agent den russischen Popsänger Emin Algarow, dessen Vater geschäftlich mit Donald Trump zusammengearbeitet hat. Der Brite wollte den Mails zufolge ursprünglich ein Treffen mit Emin Algarow arrangieren, letztlich lief es aber auf ein Treffen mit einer «Anwältin der russischen Regierung» heraus, wie Goldstone sie umschrieb.

Mit dieser Anwältin, Natalia Veselnitskaja, traf sich Trump Junior einige Tage später, am 9. Juni 2016, zusammen mit Trumps Schwiegersohn und heutigen Präsidentenberater Jared Kushner sowie dem damaligen Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort.

Veselnitskajas Äusserungen seien vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben, sagte Trumps Sohn später. «Es wurde schnell deutlich, dass sie keine wichtige Information hatte.» Veselnitskaja bestreitet, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Vom Kreml hiess es, man kenne die Frau nicht.

Trump Junior war am Dienstag bemüht, die Begegnung herunterzuspielen. Die Medien und die Demokraten hätten es extrem auf die «Russlandgeschichte» abgesehen, schrieb er auf Twitter. «Wenn dieses Nonsens-Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, verstehe ich die Verzweiflung!»

Sein Anwalt sagte der «New York Times», sein Mandant habe nichts Falsches getan, werde aber mit den Ermittlern zusammenarbeiten, sollten sie ihn kontaktieren.

Mit der Veröffentlichung der E-Mails reagierte Trump Junior auf einen Bericht der «New York Times». Die Zeitung hatte am Montagabend geschrieben, dass Goldstones E-Mail darauf hindeute, dass die russische Regierung Quelle der potenziell schädlichen Informationen gewesen sei.

Es gebe aber keinen Beweis dafür, dass die versprochenen Informationen in Zusammenhang mit den Hackerangriffen auf die Demokraten stünden, schrieb die Zeitung weiter.

US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mail-Konten der Demokraten zu stehen. Sie werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gab.

Präsident Trump erfuhr nach Angaben einer Sprecherin erst in den vergangenen Tagen vom Treffen seines Sohnes. Vizepräsident Mike Pence liess über seinen Anwalt Marc Lotter umgehend eine Erklärung veröffentlichen, in der er sich von der Angelegenheit distanziert.

Pence habe von dem Treffen von Trump junior mit der Anwältin nichts gewusst, heisst es darin. Die Stellungnahme wurde in Washington als ein erstes Anzeichen dafür gewertet, dass sich der Vizepräsident möglicherweise von Trump abwenden will.

(SDA)


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