Trump schwächt Positionen zu Klimawandel und Clinton ab

Sollte vielleicht damit anfangen, ab und zu ein Buch zu lesen. Vom Klimawandel und seinen verschiedenen Ursachen scheint der zukünftige US-Präsident Donald Trump jedenfalls erst kürzlich gehört zu haben, mutmasslich von seinen Beratern. (in einer Aufnahme vom 7. Oktober 2016)
Sollte vielleicht damit anfangen, ab und zu ein Buch zu lesen. Vom Klimawandel und seinen verschiedenen Ursachen scheint der zukünftige US-Präsident Donald Trump jedenfalls erst kürzlich gehört zu haben, mutmasslich von seinen Beratern. (in einer Aufnahme vom 7. Oktober 2016) © KEYSTONE/AP/EVAN VUCCI
Der künftige US-Präsident Donald Trump hat seine Positionen in einigen Politikfeldern abgeschwächt. In einem Interview mit der «New York Times» gab er sich versöhnlich gegenüber Hillary Clinton und räumte ein, dass der Klimawandel auch menschengemacht sei.

«Irgendwie, es hängt davon ab, wie viel», sagte Trump am Dienstag in Bezug auf den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Unter Bezug auf Regulierungen sagte Trump, er denke beim Thema Klimawandel immer auch an die Kosten für die US-Unternehmen und die Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit.

Auf die Frage, ob sich die USA unter seiner Führung aus internationalen Klimaabkommen zurückziehen würden, sagte Trump: «Ich werde das sehr genau prüfen. Ich stehe dem Ganzen offen gegenüber.» Im Wahlkampf hatte Trump einen menschengemachten Klimawandel negiert und gesagt, er wolle entsprechende Vereinbarungen aufkündigen.

Auch mit Blick auf seine erbitterten Angriffe auf seine Rivalin Clinton wegen deren E-Mail-Affäre legte Trump Zurückhaltung an den Tag. Auf die Frage, ob er Ermittlungen gegen die Ex-Aussenministerin im Zusammenhang mit ihrer Stiftung oder des von ihr eingeräumten Gebrauchs eines privaten E-Mail-Servers ausschliesse, sagte Trump in dem Interview nach Angaben des Blattes «Nein».

Zugleich sagte er, er wolle die Clintons «nicht verletzen» und voranschreiten. «Ich strebe nicht an, da nochmal durchzugehen», sagte Trump laut einer Twitter-Nachricht des Interviewers. Ermittlungen gegen Clinton würden das Land sehr stark spalten, sagte Trump. «Ich möchte die Clintons nicht verletzten, wirklich nicht. Sie hat soviel durchgemacht und viel gelitten, in vielerlei Hinsicht.»

Im Wahlkampf hatte Trump die Einsetzung eines Sonderermittlers gegen Clinton angekündigt und ihr mehrfach kriminelles Verhalten und Korruption vorgeworfen. In Wahlveranstaltungen hatten seine Anhänger die Forderung nach einer Inhaftierung Clintons («lock her up»- «Sperrt sie ein») häufig in lautstarken Sprechchören kundgetan. Clinton hatte den Gebrauch eines privaten E-Mail-Servers als Fehler bezeichnet. Strafbar hat sie sich damit nach Einschätzung des FBI aber nicht gemacht.

Trump distanzierte sich gegenüber der «New York Times» auch von der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung, die seinen Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen und dem Hitlergruss gefeiert hatte. «Ich möchte dieser Gruppe keinen Auftrieb geben, und ich erkenne sie nicht an», sagte Trump.

Zuvor hatte die Zeitung Trump in einem Leitartikel aufgefordert, die «giftige Propaganda» der Alt-Right-Bewegung, die er in seinem Wahlkampf selbst «aus dem Schatten geholt» habe, «eindeutig zu verurteilen».

Trump sei im Kurznachrichtendienst Twitter «verstummt», nachdem rund 200 «weisse Nationalisten» am Samstag in Washington eine «sehr öffentliche Coming-Out-Party voll von rassistischem und antisemitischem Schmutz» gefeiert hätten, schrieb die «New York Times».

Am Montag hatte Trump bei einem Treffen mit Medienvertretern diese aufs übelste beschimpft. Es sei wie ein «Erschiessungskommando» gewesen, zitierte die «New York Post» am Montagnachmittag (Ortszeit) einen Teilnehmer.

Trump ging dem Bericht zufolge gleich zu Beginn des Treffens insbesondere auf den Nachrichtensender CNN los. Dem anwesenden Senderchef Jeff Zucker soll er dem Teilnehmer zufolge gesagt haben: «Ich hasse Ihren Sender, jeder bei CNN ist ein Lügner, und Sie sollten sich schämen.»

Seit seinem Wahlsieg hat sich Trump weitgehend von den Medien ferngehalten. So gab der gewählte Präsident entgegen der Gepflogenheiten bislang keine Pressekonferenz, sondern nur gelegentliche Interviews.

Mit der Öffentlichkeit kommuniziert Trump grossteils über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Seine Pläne für die Zeit unmittelbar nach seiner Regierungsübernahme am 20. Januar verkündete er am Montag in einer Videobotschaft.

Die bisherige Praxis des künftigen Präsidenten hat Sorgen innerhalb der US-Medien wachsen lassen, dass ihnen die Trump-Regierung den Zugang zu Informationen schwer machen könnte.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen