Tsipras zeigt sich beschämt über Flüchtlingstragödie

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zeigt sich  bestürzt über die neue Flüchtlingstragödie bei Kalymnos. (Archiv)
Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zeigt sich bestürzt über die neue Flüchtlingstragödie bei Kalymnos. (Archiv) © KEYSTONE/AP/THANASSIS STAVRAKIS
Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat sich bestürzt über die Flüchtlingstragödien in der Ägäis geäussert. Zugleich appellierte er an andere europäische Spitzenpolitiker, die Streitigkeiten über den Umgang mit Migranten zu beenden.

“Als Mitglied der Führung Europas schäme ich mich”, sagte Tsipras am Freitag. Das eine Land schiebt das Problem dem anderen zu. “Die Wellen spülen nicht nur (tote) Migranten, sondern auch die europäische Kultur an Land”, sagte Tsipras.

Der Regierungschef versicherte, Griechenland werde 50’000 Flüchtlinge in Aufnahmelager und in Wohnungen aufnehmen. Er schlug aber vor, dass die sogenannten Hotspots (Registrierzentren) der EU in der Türkei und Ländern wie dem Libanon, wo es Flüchtlingslager gibt, in Betrieb genommen werden. Damit würden die Flüchtlinge nicht gezwungen, die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln zu unternehmen.

Mindestens 22 Flüchtlinge, darunter zehn Kinder, ertranken allein in der Nacht zum Freitag vor griechischen Inseln. Wie die Küstenwache mitteilte, kamen 19 Menschen vor der Insel Kalymnos und 3 vor der Insel Rhodos nach dem Kentern von Flüchtlingsbooten ums Leben.

Rettungsmannschaften konnten 144 Menschen in Sicherheit bringen. Mehrere Flüchtlinge werden noch vermisst.

Die griechischen Inseln in der Ägäis liegen zwar oft nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt, doch kommt es dort immer wieder zu tödlichen Unglücken. Erst am Mittwoch waren vor Lesbos und Samos 17 Flüchtlinge ums Leben gekommen.

Trotz der kühlen Temperaturen und der rauen See machen sich weiter jeden Tag hunderte Menschen auf den Weg von der Türkei auf die nahen griechischen Inseln. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte am Donnerstag, dass sich das Schicksal der Menschen durch die schlechteren Wetterverhältnisse noch verschlimmere.

Kritiker beschuldigen die EU-Grenzschutzagentur Frontex, die mit Patrouillenbooten entlang der Seegrenze unterwegs ist, Flüchtlingen in Seenot nicht zu Hilfe zu kommen.

(SDA)


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