Türkischer Pianist Fazil Say von Blasphemie-Vorwurf freigesprochen

Türkischer Pianist Fazil Say von Blasphemie-Vorwurf freigesprochen
© Keystone/EPA/ANGELIKA WARMUTH
Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen ist der türkische Starpianist und Komponist Fazil Say endgültig vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen worden.

Ein Gericht in Istanbul befand den weltbekannten Musiker, dem kritische und spöttische Äusserungen über den Islam im Kurznachrichtendienst Twitter zur Last gelegt worden waren, am Mittwoch für unschuldig, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Der 45-jährige Say stand seit Oktober 2012 vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, mit mehreren Twitter-Mitteilungen die «religiösen Werte eines Teils der Bevölkerung» herabgesetzt zu haben. Im April 2013 wurde der Künstler zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde zwar noch im selben Jahr wegen eines Formfehlers aufgehoben, in einem neu aufgerollten Verfahren wurde aber erneut eine zehnmonatige Bewährungsstrafe verhängt.

Im Oktober 2015 hob das Oberste Berufungsgericht auch das zweite Urteil auf und verwies das Verfahren an das Gericht der ersten Instanz zurück. Nach Einschätzung der Berufungsrichter waren Says Twitter-Mitteilungen durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gedeckt. Dieser Auffassung schloss sich das Gericht in Istanbul laut Anadolu nun an.

Say hatte auf Twitter unter anderem mit Blick auf die Koran-Beschreibung des Paradieses als Ort, an dem Bäche von Wein fliessen, die Frage gestellt: “Ist das Paradies denn eine Kneipe für euch? Ihr sagt, auf jeden Gläubigen warten zwei Jungfrauen – ist das Paradies denn ein Bordell?” Später hatte Say mehrfach erklärt, er habe den Islam und gläubige Muslime nicht beleidigen wollen.

Der Prozess war innerhalb und ausserhalb der Türkei scharf kritisiert worden. Say ist ein bekennender Atheist und ein bekannter Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er hatte das Verfahren als politisch motiviert bezeichnet und Erdogan vorgeworfen, selbst hinter dem Prozess zu stehen.

(SDA)


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