“Udopium” für alle – Udo Lindenberg feiert heute seinen 70sten

Sich selber hätte Udo Lindenberg keine 70 gegeben, aber sein Körper stand eine destruktive Beziehung mit "Lady Whisky" durch. Seit heute hat der Panikrocker die 7 am Rücken - und ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. (Archivbild)
Sich selber hätte Udo Lindenberg keine 70 gegeben, aber sein Körper stand eine destruktive Beziehung mit "Lady Whisky" durch. Seit heute hat der Panikrocker die 7 am Rücken - und ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. (Archivbild) © KEYSTONE/DPA / EPA FILE/ANDREAS ARNOLD
Gefühlt hat Udo Lindenberg seit Wochen Geburtstag – dank seinem Album “Stärker als die Zeit” ist er auf allen Kanälen präsent. Aber erst heute wird er wirklich 70. “Udopium – geiles Wortspiel, ne?”, sagt Udo Lindenberg. “Deutschland nimmt wohl eine neue Droge”.

Mit Volldampf rast er seit Ende April durch die Medienkanäle, in den Charts platziert er sein drittes Nummer-Eins-Album, und er selbst glaubt, eine Rakete gefrühstückt zu haben, weil alles so nach oben “zischt”.

Am Anfang stand eine Art “Masterplan”, den der Sohn des Installateurs Gustav und der Hausfrau Hermine ausgeheckt hatte – getrieben vom Wunsch, “reich und berühmt” zu werden. Seit Ende der 60er Jahre lebt er bevorzugt in Hamburg.

Hier, wo er in frühen Jahren in einer WG mit Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen wohnte und heute das Hotel “Atlantic” seine Dauerherberge ist, entwarf er das Bild vom Rock-Revolutionär: “Markante Silhouette mit enger Beinbekleidung, torkelnde Lindi-Choreografie und deutsche Texte. Strategie-Papiere für den Weg vom Gully zum Gipfel.” Eigentlich erfolgreicher Schlagzeuger, trat er Anfang der 70er Jahre in den Vordergrund.

“Keine Panik auf der Titanic”, sang er 1972 in “Hoch im Norden”, im Jahr darauf gelang ihm mit “Alles klar auf der Andrea Doria” endgültig der Durchbruch. “Damals war die amtliche Popsprache Englisch, zumindest für die, die nicht selbstmörderisch eigensinnig sein, sondern viele Platten verkaufen wollten”, bemerkt Autor Benjamin von Stuckrad-Barre im Buch “Am Trallafitti-Tresen” (2008), das er mit seinem Kollegen Moritz von Uslar verfasste. Uslar nennt jene Entscheidung für das Deutsche die “historische Leistung von Udo”.

Irgendwann aber sah man “Uns Udo” mehr auf dem Barhocker als auf der Bühne. Abgeschrieben an Alkoholexzesse, kein angemessenes Alterswerk in Sicht. “Und der Whisky, der zieht runter – und sein Blut wird schnell und warm. Und jetzt nimmt ihn Lady Whisky ganz zärtlich in den Arm”, sang er Anfang der 90er Jahre.

2003 erstmals und auf dem neuen Album folgte ein Dankeschön an seinen Körper: “Ich hab’ geraucht so wie ein Schlot und gesoffen wie ein Loch. Ich hab’ dich super hart geschunden, trotzdem leben wir immer noch.” Immer wieder räumte er aber auch ein: “So manche hohe Wissenschaft und Symphonien und höhere Sphären wär’n nicht entstanden, wenn die Kollegen immer nur nüchtern geblieben wären.”

Andere hätte das alles endgültig aus der Bahn geworfen, Lindenberg aber hat die Kurve gekriegt. Mit dem Comeback vor acht Jahren gelang ihm das erste Nummer-Eins-Album seiner Karriere, nach “MTV Unplugged” (2011) platziert er nun mit “Stärker als die Zeit” sein drittes.

 

(SDA/red)


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