Über die Alpen von Wien nach Nizza

Von Lara Abderhalden
Dominik Siegrist wandert mit zwei Kollegen von Wien nach Nizza.
Dominik Siegrist wandert mit zwei Kollegen von Wien nach Nizza. © Cipra
Der Rucksack ist gepackt, die Wanderschuhe stehen bereit. Die Gruppe «Whatsalp» beginnt mit ihrer viermonatigen Alpenüberquerung. Gestartet wird in Wien, über die Alpen geht es bis nach Nizza. Unter den Wandervögeln ist auch der Rapperswiler Professor Dominik Siegrist. Mit ihrem Projekt wollen sie auf die Veränderungen der Alpen aufmerksam machen.

«Ich beschäftige mich schon lange mit dem Alpenraum», erzählt Dominik Siegrist. Er ist Institutsleiter an der Fachhochschule in Rapperswil-Jona und Mitglied der Gruppe «Whatsalp». Bereits 1992 überquerte er mit einer anderen Gruppe die Alpen. «Die Idee ist, dass wir nochmals die fast selbe Route entlang gehen und festhalten, was sich in den letzten 25 Jahren verändert hat.» Die Ergebnisse dieses Vierteljahrhundert-Vergleichs sollen Aufschluss über die Zukunft des Alpenraums bringen. «Es ist eine Art wandernde Recherche», sagt Siegrist.

Der Rapperswiler Professor macht die Alpendurchquerung schon zum zweiten Mal (Bild: zVg)

Der Rapperswiler Professor macht die Alpenüberquerung schon zum zweiten Mal (Bild: zVg)

Vieles ist noch ungewiss

Die Gruppe wird von zahlreichen Organisationen unterstützt, die sich für den Alpenraum einsetzen. «Wir haben uns etwas mehr als ein Jahr auf dieses Projekt vorbereitet. Wir haben verschiedene Organisationen angefragt, haben die Route genau definiert und natürlich mussten wir beispielsweise auch 120 Übernachtungen buchen. Wir brauchen schliesslich ein Bett zum schlafen.»

Vier Monate hat die Gruppe für den Trip von Wien nach Nizza eingeplant. Auf ihrer Route werden sie von zahlreichen Interessierten begleitet: «Wir haben viele Anmeldungen von Gruppen erhalten, die uns mehrere Wochen auf der Überquerung begleiten werden. Ausserdem finden unterwegs rund 60 Veranstaltungen zum Thema Alpen statt.»

Obwohl der Terminkalender voll ist, weiss Dominik Siegrist noch nicht genau, was ihn erwartet: «Die grösste Herausforderung wird das Abenteuer sein. Vieles ist noch ungewiss. Wir haben einen Teil der Kontakte eingefädelt, was genau uns an den einzelnen Veranstaltungen erwartet, wissen wir aber noch nicht.»

Auf Wanderwegen unterwegs

Eine körperliche Herausforderung ist die Alpenüberquerung für den fast 60-Jährigen nicht. «Ich gehe regelmässig in die Berge. Wir werden auf normalen Wanderwegen unterwegs sein, damit sich jeder uns anschliessen kann.» Dass es unter der Gruppe zu Stimmungsschwankungen kommen kann, glaubt Siegrist nicht: «Wir kennen uns schon sehr gut. Einer meiner Begleiter war schon bei der Alpenüberquerung 1992 mit dabei. Da hat es auch funktioniert. Sollten wir trotzdem mal Abstand brauchen, haben wir dafür draussen genügend Platz.»

Apropos Platz: Davon hat Dominik Siegrist nicht mehr viel in seinem Rucksack. Er musste seinen Rucksack für vier Monate packen: «Mein Rucksack ist ungefähr acht bis zehn Kilogramm schwer. Ich schaue immer, dass ich nicht zu viel mitnehme.»

Dominik Siegrist hat seinen Rucksack gepackt (Bild: zVg)

Dominik Siegrist hat seinen Rucksack gepackt (Bild: zVg)

«Habe Lampenfieber»

Ein bisschen nervös ist der leidenschaftliche Wanderer schon: «Ich habe schon Lampenfieber, freue mich aber auch unglaublich auf das Abenteuer.» Am meisten freue er sich auf die unterschiedlichen Landschaften: «Die Alpen sind so unterschiedlich strukturiert, am Anfang gibt es viele Wälder, dann kommen wir ins Hochgebirge, in die Südalpen mit ihren verlassenen Tälern – jeder Abschnitt hat etwas zu bieten und auf jedem Abschnitt hoffe ich, interessante Gespräche mit interessanten Menschen führen zu können.»

Der gebürtige Zürcher wird seine selbst finanzierte Reise am 3. Juni um 10 Uhr mitten in Wien auf dem Stephansplatz beginnen. Am 29. September 2017 will die Kerngruppe in Nizza ankommen.

Film über die Wanderung 1992 – Der lange Marsch (Transalpedes 1992):

(abl)


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