Überwachung der Tigermücke: Das Tessin als Musterbeispiel

Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus wurde 2003 erstmals im Tessin gesichtet. (Archivbild)
Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus wurde 2003 erstmals im Tessin gesichtet. (Archivbild) © KEYSTONE/ARBEITSGRUPPE MUEKEN TI/STR
Seit dem Jahr 2000 überwacht das Tessin die Tigermücke, und diese Wachsamkeit zahlt sich aus: Das Insekt hat sich langsamer als im benachbarten Italien ausgebreitet, dank der Mithilfe der Bevölkerung. Zu diesem Schluss kommt eine Doktorandin der Universität Neuenburg.

Alarmiert durch die rasante Verbreitung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) in Italien bildeten die Gesundheitsbehörden im Tessin bereits im Jahr 2000 eine Arbeitsgruppe, bevor das Insekt das erste Mal in dem Kanton gemeldet wurde. Erstmals wurde es dort 2003 gesichtet, und seine Ausbreitung wird seither genau überwacht.

Eine Strategie, die sich auszahlt: Erhebungen auf beiden Seiten der Grenze zeigten, dass das Problem auf der Schweizer Seite deutlich besser im Griff sei, hält die Biologin Eleonora Flacio fest. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Uni Neuenburg zieht sie Bilanz über mehr als ein Jahrzehnt Tigermücken-Kontrolle im Tessin.

Es sei nicht möglich, die Ausbreitung des Insekts komplett zu verhindern. Aber “die ergriffenen Massnahmen erlauben, seine Vermehrung zu bremsen und seine Populationsdichte zu reduzieren”, erklärt die Spezialistin. Und die Dichte beeinflusse direkt das Übertragungsrisiko von Krankheiten wie Dengue-Fieber oder Chikungunya.

Die rasante Verbreitung der Mücke lasse sich damit erklären, dass sie städtische Gebiete besiedele, in denen sie praktisch keinen Fressfeinden begegne, so Flacio. Sie stellte ausserdem fest, dass die Reproduktionsrate der Mücke recht hoch ist, ebenso wie ihre Anpassungsfähigkeit. Ihre Eier können tiefe Temperaturen bis minus zehn Grad Celsius aushalten, so dass sie den Tessiner Winter leicht überstehen.

Ausserdem sei die Tigermücke im Vergleich zu anderen stechenden Insekten wenig spezialisiert: “Sie kann gleichermassen Mensch und Tier stechen und das mehrmals am Tag”, sagte Flacio. Entsprechend hoch seien ihre Überlebenschancen.

Das Überwachungssystem im Tessin hat sich bewährt, ohne dabei kostenintensiv zu sein. Der erste Schritt besteht darin, die Zugangswege – insbesondere Raststätten an Autobahnen – zu überwachen, da die Mücken oft in Personen- und Lastwagen mitreisen. Durch Installation einfacher Fangvorrichtungen kann die Arbeitsgruppe die Entwicklung der Mückenpopulation kontrollieren.

Auf diese Weise werden derzeit städtische Gebiete in tiefen Lagen durch regelmässige Erhebungen überwacht, schilderte die Biologin. In Regionen über 600 Metern sei das Problem weniger akut, da sich die Mücke dort langsamer vermehre.

Ein weiterer wichtiger Grundpfeiler der Mücken-Kontrolle: Die Bevölkerung werde durch regelmässige Mitteilungen und Broschüren informiert, die an alle Haushalte verteilt werden. Darin werden sie um Mithilfe gebeten, die Tigermücke durch Vorsichtsmassnahmen im Zaum zu halten. Diese Massnahmen betreffen insbesondere die Gestaltung von Gärten und die Lagerung von Abfällen.

Es empfehle sich besonders, stehendes Wasser zu vermeiden und Müll gut abzudichten. “Wir versuchen regelmässig daran zu erinnern, dass nur wenige Millimeter Wasser für diese Mücke ausreichen, um sich zu vermehren”, erklärte die Biologin.

Flacio präsentierte ihre Ergebnisse am Mittwoch im Rahmen der Präsentation ihrer Doktorarbeit am Institut für Biologie der Universität Neuenburg.

(SDA)


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