Ausraster, Punktabzüge, Einstellung des Spielbetriebs beim FC Biel

Die Tage von Trainer Zlatko Petricevic beim FC Biel dürften gezählt sein
Die Tage von Trainer Zlatko Petricevic beim FC Biel dürften gezählt sein © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Der FC Biel schafft es abermals abseits des Platzes in die Schlagzeilen. Bei der 1:6-Niederlage in Schaffhausen wird Trainer Zlatko Petricevic handgreiflich. Tags darauf tritt das Team in den Streik.

Das Fass zum Überlaufen brachte eine unglaubliche Aktion von Trainer Petricevic während des Spiels vom Donnerstagabend in Schaffhausen. Der 54-jährige Kroate wurde gegen Masseur Walter Aeschlimann handgreiflich. Petricevic, der wegen fehlender UEFA-Diplome nur auf der Bank sitzen durfte, schlug dem Betreuer in der 67. Minute beim Stand von 1:3 mit der Hand ins Gesicht. Aeschlimann, der oberhalb des rechten Auges getroffen wurde, soll den Coach davor heftig kritisiert haben.

Grund dafür war offenbar, dass Petricevic die Auswechslung des erst zur Pause eingewechselten Valentin Hayoz gefordert hatte. Damit stiess er beim Bieler Staff auf Widerstand. “Ich habe ihm gesagt, dass er keine Ahnung von Fussball habe. Und dass der Auftritt der Mannschaft kein Wunder sei nach den himmeltraurigen Trainings in dieser Woche”, sagte der Masseur, der Petricevic womöglich anzeigen wird, dem “Bieler Tagblatt”. Die Aktion habe den Bieler Fussballklub in Sachen Peinlichkeit in eine neue Sphäre katapultiert, kommentierte die Zeitung am Freitag. Interimscoach Petar Aleksandrov, der wegen seiner UEFA-Pro-Lizenz als “Papier-Trainer” im Einsatz stand, kommentierte Petricevics Aktion so: “Das ist der traurigste Tag in meinem Fussball-Leben.”

Nach dem Vorfall in Schaffhausen war auf der Ersatzbank und auch unter den Akteuren auf dem Feld Hektik ausgebrochen. Die Spieler hatten im Sinn, die Partie abzubrechen, liessen sich nach heftigen Diskussionen aber überreden weiterzumachen. Die Differenzen mit Petricevic, der die Coaching Zone offenbar zehn Minuten vor Schluss rauchend verliess, war praktisch seit Beginn der “Zusammenarbeit” ab Ende März unüberbrückbar. Zuletzt weigerten sich die Spieler, im gleichen Car mit dem Kroaten zurück nach Biel zu fahren. Weil sie per Zug aber nur noch bis Zürich gekommen wären, blieb ihnen keine andere Wahl als die Rückfahrt mit dem Bus und Petricevic an Bord.

Tags darauf zogen zwei Seiten die Notbremse, Resultate sind das pure Chaos und einige Fragezeichen. Der höchst umstrittene Präsident Carlo Häfeli entschied, Petricevic nach vier Niederlagen in ebenso vielen Spielen und gemäss Augenzeugen miserabler Training-Methodik per sofort freizustellen. Neben der Entlassung droht Petricevic auch Ärger mit der SFL. Die Liga überprüft, ob der Vorfall in Schaffhausen sanktionswürdig ist. Es ist damit zu rechnen, dass der Präsident der Disziplinarkommission aktiv wird.

Die Spieler trafen sich am Freitagnachmittag mit dem Betreuerstab zu einem Krisengespräch und zogen den vorläufigen Schlussstrich. Sie legten ihre Arbeit ohne Ankündigung eines Endes nieder, die Partie vom Sonntag gegen Leader Lausanne-Sport fällt aus. Erste Konsequenzen werden eine Busse durch die Swiss Football League und eine Forfait-Niederlage sein.

Wie es danach weitergeht, steht ohnehin in den Sternen. Am kommenden Dienstag steht vor dem Bieler Amtsgericht die Eröffnung des Konkursverfahrens gegen den FC Biel in der Agenda. Diverse aktuelle oder ehemalige Klub-Angestellte fordern ihnen zustehende Beträge ein, dem Vernehmen nach geht es um eine Gesamtsumme von rund 400’000 Franken. Dazu wird die Swiss Football League Anfang der nächsten Woche mitteilen, welche Klubs die Lizenzauflagen erfüllt haben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Biel mit seinem schmucken, erst im September 2015 eingeweihten Kleinstadion nicht dazugehören. Womöglich ist schon Ende April Lichterlöschen. Die Frage ist, in welcher Liga es nach den chaotischen Monaten seit der Amtsübernahme von Präsident Häfeli bei einem Konkurs überhaupt weitergehen würde.

Auch auf juristischem Parkett erlitt der FC Biel am Freitag Niederlage. Mit den Einsprachen gegen den Abzug von zweimal zwei Punkten blitzten die Seeländer vor dem SFL-Rekursgericht ab. Die Disziplinarkommission hatte Mitte respektive Ende März die Schritte wegen Verstössen gegen die im Lizenzreglement vorgesehene Informationspflicht gegenüber der Liga eingeleitet. Es ging dabei unter anderem um fehlende Bestätigungen für Löhne und Sozialversicherungsbeiträge für den Monat Januar 2016.

Durch den rechtskräftigen Abzug von nun bereits fünf Punkten rutschte Biel vor der 30. Runde ans Ende der Rangliste der Challenge League ab. Der Rückstand auf das bisherige Schlusslicht Le Mont beträgt einen Zähler. Im dritten Fall, in dem es – erneut wegen fehlender Lohn- und Sozialversicherungs-Dokumente – um die Reduktion von drei Punkten geht, läuft die Rekursfrist noch bis am Sonntag.

(SDA)


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