Unerwarteter Klassiker ohne Favorit

Luganos Philippe Furrer (links) spielt im Playoff-Final gegen seinen ehemaligen Klub Bern
Luganos Philippe Furrer (links) spielt im Playoff-Final gegen seinen ehemaligen Klub Bern © KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU
Lugano und Bern treffen bereits zum fünften Mal in einem Playoff-Final aufeinander. Einen Favoriten gibt es in diesem Klassiker nicht. Heute erfolgt der Auftakt in Lugano (20.15).

Obwohl Lugano und Bern zwei Vereine mit klingendem Namen sind, hatte im Vorfeld der Playoffs kaum einer mit diesem Final gerechnet. Beide Teams bekundeten in der Qualifikation grosse Probleme, wechselten die Trainer. Lugano lag bei der Entlassung des jetzigen Schweizer Nationalcoachs Patrick Fischer im Oktober auf dem letzten Tabellenplatz, arbeitete sich unter Doug Shedden aber immerhin noch in den 5. Rang vor. Bern erreichte erst in der zweitletzten Runde die Playoffs und wies als Achter gleich viele Punkte aus wie das neuntklassierte Lausanne.

Abgeklärheit bei Finaleinzug

In der entscheidenden Meisterschaftsphase trumpften dann aber beide gross auf, und bei beiden tönte es nach dem Finaleinzug ähnlich. “Wir sind in schwierigen Situationen immer ruhig geblieben”, so Luganos Stürmer Damien Brunner. SCB-Captain Martin Plüss sagte: “Wir hatten Vertrauen in uns, dass wir im richtigen Moment die Tore schiessen. Dann sind alle ruhiger. Wenn man so gut spielt, führt das zu einer gewissen Abgeklärtheit.”

Dass im Final der Fünfte gegen den Achten der Qualifikation spielt, das gab es noch nie. Dass zwei ausserhalb der Top 4 platzierte Mannschaften in der finalen Serie aufeinandertreffen, ist allerdings keine Premiere. 2012 hiess das Duell Fünfter gegen Siebenter, Bern gegen die ZSC Lions. Dabei setzten sich die Stadtzürcher im siebenten Spiel dank eines Tores von Verteidiger Steve McCarthy 2,5 Sekunden vor Schluss durch. Ähnlich dramatisch könnte es auch diesmal werden.

Lugano beweist Moral

Lugano bewies in diesen Playoffs bislang eine grosse Moral, feierte fünf der acht Siege nach Rückständen. Im Halbfinal gegen Genève-Servette entschied es drei von vier Verlängerungen für sich. Was das spielerische Potenzial betrifft, liegen die Vorteile ohnehin auf Seiten der Tessiner. Die Schweden Linus Klasen, Fredrik Pettersson und Tony Martensson sowie der frühere NHL-Stürmer Damien Brunner können jederzeit für die Differenz sorgen. Das Quartett erzielte in der Viertel- und Halbfinalserie 17 der 33 Tore der Tessiner und kam auf ein Total von beeindruckenden 42 Skorerpunkten. Dass das unbestrittene Talent nun auch abgerufen wird – in den letzten neun Saisons waren die Luganesi nie über die Viertelfinals hinausgekommen -, daran hat Shedden einen grossen Anteil. Die Spieler legen nun eine grössere Aufopferungsbereitschaft an den Tag. Allerdings setzt der Kanadier vorwiegend auf drei Linien, was sich, je länger die Finalserie dauert, negativ auswirken könnte.

Bern leicht im Vorteil

Die Ausgeglichenheit ist sicherlich das Plus der Berner, die als erster Qualifikations-Achter Meister werden können. So schoss die nominell vierte Linie mit Alain Berger (3), Pascal Berger (2) und Gian-Andrea Randegger in diesen Playoffs fünf Tore. Selbst HCD-Trainer Arno Del Curto, ein Sinnbild für Tempo-Hockey, zeigte sich von der Intensität des SCB beeindruckt. Und wer gegen Qualifikationssieger ZSC Lions und Davos, Halbfinalist in der Champions Hockey League, nur eine Partie verliert, muss sich ohnehin vor nichts fürchten. Auch diese beiden Mannschaften besassen mehr spielerische Qualität als die Berner. Interessant wird auch zu sehen sein, welche Serie weitergeht: Lugano gewann in diesen Playoffs sämtliche fünf Auswärtsspiele, Bern ist zu Hause noch ungeschlagen.

Die beiden Teams treffen bereits zum neunten Mal in den Playoffs aufeinander, zum fünften Mal im Final. Das letzte Final-Duell liegt allerdings schon elf Jahre zurück. Damals setzten sich die Berner mit 3:2 Siegen durch. Vier Spieler waren schon 2004 dabei, nämlich Raffaele Sannitz und Steve Hirschi auf Seiten der Luganesi, Beat Gerber und David Jobin beim SCB. Insgesamt lautet die Bilanz in den Finals 3:1 für die Berner (total 6:2).

Ganz besonders ist die Serie für Philippe Furrer. Der Verteidiger wechselte auf diese Saison hin zu den Bianconeri, nachdem er zuvor während seiner gesamten NLA-Karriere für die Hauptstädter tätig gewesen war. Schon vor dem Saisonbeginn wünschte er sich den Final Lugano – Bern. Dass der Wunsch in Erfüllung ging, daran hatte Furrer massgeblichen Anteil, verwandelte er doch im sechsten Spiel gegen Genève-Servette in der 74. Minute den Penalty zum entscheidenden 4:3.

Spannende Serie erwartet

Die Vorzeichen für eine spannende Serie sind also gegeben. Beide Equipen sind seit der Einführung der Playoffs in der Saison 1985/86 je siebenmal Meister geworden, so oft wie kein anderes Team. Für SCB-Coach Lars Leuenberger, der mit seiner unaufgeregten Art imponiert, wäre der Titel umso spezieller, als er den Verein trotz der imponierenden Leitungen verlassen muss. Der Entscheid gegen ihn wurde schon vor dem Playoff-Start gefällt.

Playoff-Final (best of 7). Lugano (5. der Qualifikation) – Bern (8.). – Spieldaten: Samstag, 2. April (20.15 Uhr), Dienstag, 5. April (20.15 Uhr), Donnerstag, 7. April (20.15 Uhr), Samstag, 9. April (20.15 Uhr). – Mögliche weitere Termine: Dienstag, 12. April (20.15 Uhr), Donnerstag, 14. April (20.15 Uhr), Samstag, 16. April (20.15 Uhr).

Bisherige Resultate diese Saison: 1:2 (a), 6:3 (h), 4:2 (h), 3:2 n.P. (a). 8:5 Punkte. – Bisherige Playoff-Serien. 1989 (Final): Lugano – Bern 2:3. – 1990 (Final): Lugano – Bern 3:1. – 1991 (Final): Bern – Lugano 3:1. – 1997 (Halbfinal): Bern – Lugano 3:1. – 2001 (Halbfinal): Lugano – Bern 4:2. – 2004 (Final): Lugano – Bern 2:3. – 2005 (Viertelfinal): Lugano – Bern 1:4. – 2010 (Viertelfinal): Bern – Lugano 4:0.

Weg der Finalisten. Lugano 4:2 im Halbfinal gegen Genève-Servette, 4:0 im Viertelfinal gegen Zug. – Bern 4:1 im Halbfinal gegen Davos, 4:0 im Viertelfinal gegen die ZSC Lions.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen