Unglückshäher kann Verwandtschaftsgrad abschätzen

Ein Nichtbrüter nähert sich einem Unglückshäher-Brutpaar, das am Fressen ist. Er wird nichts zu Futtern von ihm bekommen.
Ein Nichtbrüter nähert sich einem Unglückshäher-Brutpaar, das am Fressen ist. Er wird nichts zu Futtern von ihm bekommen. © UZH
Können Tiere entfernt verwandte Artgenossen erkennen? Dem Unglückshäher gelingt das, wie Evolutionsbiologen der Universität Zürich erstmals belegen. Der Rabenvogel hat dadurch Vorteile beim Teilen der Nahrung sowie bei der Partnerwahl.

Säugetiere, Vögel und Fische sind fähig, ihnen unbekannte Geschwister zu erkennen. Bis anhin war aber nicht klar, ob Tiere auch weiter entfernte Verwandte identifizieren können. Nun belegen Forscher der Uni Zürich, dass der zur Familie der Rabenvögel zählende Unglückshäher diese Kunst beherrscht. Dies teilte die Uni am Montag mit.

Verwandtschaft ist in der Natur ein wichtiger Faktor für die Zusammenarbeit. Wer Nahverwandten hilft, fördert die Verbreitung des eigenen Erbgutes. Beispielsweise leben die meisten Insekten, Erdmännchen oder Vögel mit kooperativer Brutpflege in Familienverbänden.

Der in Nordskandinavien sowie der sibirischen Taiga beheimatete Unglückshäher lebt in Familiengruppen, die sich ein Revier teilen. Nichtbrüter bleiben solange mit Brutpaaren im Revier, bis auch sie in der näheren Umgebung brüten.

Während das Brutpaar mit den eigenen Nachkommen sehr tolerant ist, verhält es sich oft aggressiver gegenüber den nichtverwandten Nichtbrütern in der Gruppe und verjagt diese vom Futter. Mit Hilfe von genetischen Analysen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Brüter jedoch gegenüber den entferntest verwandten Vögeln besonders aggressiv sind.

“Dies zeigt uns, dass Unglückshäher den Verwandtschaftsgrad von Individuen fein abgestuft unterscheiden können”, wird Autor Michael Griesser in der Mitteilung zitiert. “Sie erkennen verwandte Vögel, auch wenn sie keine sozialen Anhaltspunkte des Verwandtschaftsgrades haben.”

Weshalb hat sich bei den Unglückshähern die Erkennung des Verwandtschaftsgrades überhaupt entwickelt? Laut Griesser findet sich die Antwort im durch Kooperation geprägten Sozialverhalten der Vögel.

An Kadavern von Elchen oder Rentieren können sich mehrere Gruppen von Unglückshähern versammeln, und in diesem Zusammenhang ist das Tolerieren von bekannten Verwandten ein evolutionärer Vorteil. “Es ist ein Vorteil, Futter nur mit nahen Verwandten und nicht mit sehr entfernten zu teilen”, so Griesser.

Bei der Partnerwahl bevorzugen Unglückshäher nicht verwandte Partner. Während andere Vogelarten verwandte Artgenossen aufgrund des Aussehens oder deren Lautäusserungen identifizieren, ist noch nicht geklärt, wie Unglückshäher den Verwandtschaftsgrad erkennen.

(SDA)


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