Unglückszug in New Jersey fuhr zu schnell

Deutlich zu schnell gefahren: Das ist der erste Befund einer Untersuchung zum Zugunglück von Hoboken vom vergangenen Wochenende. Eine Person starb, über 100 wurden verletzt. (Archivbild)
Deutlich zu schnell gefahren: Das ist der erste Befund einer Untersuchung zum Zugunglück von Hoboken vom vergangenen Wochenende. Eine Person starb, über 100 wurden verletzt. (Archivbild) © KEYSTONE/AP National Transportation Safety B/CHRIS O'NEIL
Der Zug in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey war vor dem Unglück mit einer Toten und 108 Verletzten mit dem Doppelten der zulässigen Geschwindigkeit unterwegs und beschleunigte kurz vor dem Aufprall sogar noch. Das hat die Auswertung der Datenschreiber ergeben.

Weniger als eine Sekunde vor dem Aufprall habe der Lokführer die Notbremse gezogen, teilte die Behörde für Transportsicherheit NTSB am Donnerstag mit. Demnach beschleunigte der Zug knapp 40 Sekunden vor dem Unglück von rund 13 Kilometern pro Stunde auf bis rund 34 Kilometer pro Stunde.

Mit diesem Tempo war er unterwegs, als er am Donnerstag vor einer Woche im Kopfbahnhof in New Jersey mit einem Prellbock kollidierte und auf die Plattform sprang. Dadurch stürzte das Dach des Bahnhofs teilweise ein.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt im Gleisgelände umgerechnet bei rund 16 Kilometern pro Stunde, im Bereich der Perrons bei rund 8 Kilometern pro Stunde.

Ob ein technischer Defekt oder menschliches Versagen eine Rolle gespielt haben könnten oder der Lokführer das Unglück möglicherweise sogar absichtlich herbeiführte, blieb weiter unklar. Sowohl die beiden Datenrekorder als auch die Video-Aufzeichnung in Fahrtrichtung samt der Tonspur eines externen Mikrofons seien von guter Qualität, teilte die NTSB mit.

«Ein grosser Blitz wurde beobachtet, als der Waggon mit der Vertäfelung kurz hinter dem Prellbock zusammenstiess», schrieben die Ermittler. Zu hören sei ausserdem die Hupe des Zugs etwa eine Minute vor dem Aufprall, der Passagiere aus ihren Sitzen warf und durch den Trümmer von der Dachkonstruktion fielen, die eine Frau töteten.

Der 48 Jahre alte Lokführer hatte Ermittlern gesagt, vor dem Unfall mit sechs Minuten Verspätung unterwegs gewesen zu sein. Er habe sich noch daran erinnern können, bei der Einfahrt in den Bahnhof gehupt und seine Geschwindigkeit kontrolliert zu haben.

Seine nächste Erinnerung sei der Moment nach dem Aufprall, als er auf dem Boden der Fahrerkabine zu sich kam. US-Medien zufolge ist er seit dem Jahr 2000 als Zugführer tätig.

Seit dem Unglück vor einer Woche fahren Züge den historischen Bahnhof in Hoboken, den sonst täglich rund 50’000 Menschen nutzen, nicht mehr an. Wann er für den Zugverkehr wieder geöffnet wird, ist unklar.

(SDA)


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