Uni Konstanz wehrt sich gegen Vorwürfe

Von Sandro Zulian
Die Universität Konstanz hat laut eigenen Angaben nichts falsch gemacht.
Die Universität Konstanz hat laut eigenen Angaben nichts falsch gemacht. © KEYSTONE/REGINA KUEHNE
Die Universität Konstanz wehrt sich gegen die Vorwürfe des Schweizer Tierschutzes STS. Dieser hatte am 2. September im Thurgau eine Taube gefunden, die erschöpft und orienterungslos war. Die Universität hat sie zu Forschungszwecken losgeschickt und wehrt sich jetzt gegen die Vorwürfe des STS, wonach die Forscher tierquälerisch gehandelt haben sollen. 

Wie das “St.Galler Tagblatt” berichtete, kritisierten die Tierschützer den schlechten Zustand der Taube. So habe das Tier einen Helm getragen, der ihm die Sicht versperrte und die Atemwege blockierte. Ausserdem habe man der Taube mit doppelseitigem Klebeband einen Sender angebracht, welcher für Verletzungen gesorgt habe. Die Nase der Taube sei örtlich betäubt worden, und habe dem Tier den Geruchssinn “gänzlich genommen”. Gemäss Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz STS wäre ein solches Experiment in der Schweiz vermutlich nie bewilligt worden.

Universität Konstanz wehrt sich

Die Universität Konstanz kann die Vorwürfe aus der Schweiz nicht nachvollziehen. Uni-Kommunikationsbeauftragte Julia Wandt kritisiert ihrerseits den Schweizerischen Tierschutz in einer Medienmitteilung. “Der Schweizer Tierschutz hat, ohne sich vorab über die Fakten zu informieren, eine Medienmitteilung herausgegeben”, schreibt Wandt in einer Mitteilung. Der Taube sei mittels des Helms keineswegs die Sicht genommen worden. Es handle sich um eine Art Brille, welche der Taube keine Nachteile beschere.

Taube war gesund und an Menschen gewöhnt

Die Taube habe sich nicht gegen das Einfangen gewehrt, heisst es in der Mitteilung des Schweizer Tierschutzes. Das ist laut Julia Wandt kein “ungewöhnliches” Verhalten. Die Taube sei im Rahmen des Projekts an Menschen gewöhnt und habe sich deswegen leicht fangen lassen. Auch den Vorwurf der Verletzungsgefahr durch das “doppelseitige Klebeband” weiss Wandt zu entkräften. “Es fällt nach zirka einem halben Jahr mit dem Nachwachsen der Federn einfach ab. Das Tier empfindet dabei keinen Schmerz.”

Fundort der Taube Anlass für Spekulation

Warum die Taube bei Mammern im Thurgau gefunden wurde, weiss auch die Universität Konstanz nicht. “Sehr wahrscheinlich ist aber, dass die Taube einen Raubvogel wahrgenommen hat und gelandet ist, um sich auf dem Boden einen sicheren Ort zu suchen.” Solch ein “Verfliegen” komme ab und zu vor und sei ein ganz natürliches Verhalten.

Forschung überwacht durch Ethikkommision

“Visualisierung der Antwort des Gehirns auf Magnetrezeption” sei ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes, wissenschaftlich hoch angesehenes Projekt, so Julia Wandt von der Universität Konstanz. Erforscht wird, wie Lebewesen dazu in der Lage sind, das Erdmagnetfeld zur Navigation im Freien zu benutzten. Jeder einzelne Teil des Projekts werde von einer Ethikkommission des Regierungspräsidiums Freiburg streng geprüft und genehmigt. Ohne diese Genehmigung seien wissenschaftliche Studien mit Tieren nicht möglich.

Für die Universität ist klar: Die Versuche mit Tauben seien legal und das Thurgauer Veterinäramt habe nach entsprechender Prüfung dem STS mitgeteilt, dass die Taube der Universität zurückzugeben sei.


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