US-Notenbank läutet Zinswende ein

US-Notenbankchefin Janet Yellen strafft die Zügel: Nach fast einem Jahrzehnt mit Nullzinsen hat die Federal Reserve am Mittwoch die Zinswende eingeläutet (Archiv).
US-Notenbankchefin Janet Yellen strafft die Zügel: Nach fast einem Jahrzehnt mit Nullzinsen hat die Federal Reserve am Mittwoch die Zinswende eingeläutet (Archiv). © KEYSTONE/AP/PABLO MARTINEZ MONSIVAIS
Es ist eine der weitreichendsten Entscheidungen für die Finanzwelt der vergangenen Jahre: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht ihre Leitzinsen nach fast einem Jahrzehnt der Nullzinspolitik. Davon ist im positiven Sinne auch die Schweiz betroffen

Es ist zwar nur ein erste vorsichtiger Schritt in Höhe von 0,25 Prozentpunkten auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Doch die Zinswende ist damit eingeläutet. Die Fed hatte die Zinsen 2008 auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise auf nahe Null gesenkt und seitdem nicht mehr erhöht. Daher kann der Entscheid durchaus als historisch interpretiert werden.

Die Zentralbank trug mit dem vielen billigen Geld dazu bei, dass die Wirtschaft wieder in Tritt kam und nun rund läuft. Überraschend kommt der Entscheid indes nicht: Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Finanzmärkte zuletzt schon auf die Anhebung eingestimmt und signalisiert, dass sie die Zügel weiter behutsam anziehen will.

Vom neuen Zinssatz dürfte auch die Schweiz, respektive die Nationalbank (SNB), profitieren: Der Franken dürfte sich gegenüber dem Dollar abschwächen, weil nun Anlagen im Dollarraum punkto Zins attraktiver werden. Der Zinsschritt stärkt zudem auch den Dollar im Vergleich mit dem Euro.

Zuletzt hatten sich mit Arbeitsmarkt und Inflation die wichtigsten Indikatoren so entwickelt, dass eine Zinsanhebung zum logischen Schritt wurde.

Ein historischer Entscheid

Der Offenmarktausschuss sei zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt dieses Jahr noch einmal erheblich verbessert habe, hiess es in einer Mitteilung der Notenbank. Die Arbeitslosenquote ist von über zehn Prozent inmitten der Finanzkrise auf zuletzt fünf Prozent gesunken, im November kamen über 200’000 neue Stellen hinzu. Der Ausschuss sei auch überzeugt, dass sich die Inflation – derzeit durch niedrige Energie- und Lebensmittelpreise gedrückt – wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähere.

Für die Geldpolitik in Europa werden von der US-Entscheidung keine unmittelbaren Konsequenzen erwartet. “Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern”, sagte der Chefvolkswirt des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Klaus Wiener, nach der Bekanntgabe des Fed-Beschlusses. “Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren.”

(SDA/mla)


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