Velofahren wie in Amsterdam

Im Osten der Stadt startet das Pilotprojekt «Velostrasse». (Themenbild)
Im Osten der Stadt startet das Pilotprojekt «Velostrasse». (Themenbild) © TAGBLATT/Urs Bucher
Nächste Woche startet in der Stadt St.Gallen das Pilotprojekt «Velostrasse». Auf der Lindenstrasse kommt man während eines Jahres schnell mit dem Velo voran – ohne sich um einmündende Quartiersstrassen und Rechtsvortritte kümmern zu müssen. 

Der Abschnitt Werkstrasse bis Lukasstrasse wird entsprechend markiert. Zu Beginn der Strecke finden die Verkehrsteilnehmer das Signal «Velostrasse». Bei den Verkehrsknoten Buchentalstrasse und Helvetiastrasse befinden sich für ein Jahr gelbe Velosymbole auf der Fahrbahn. Wo bislang der Rechtsvortritt galt, markieren «Kein Vortritt»-Signale die Regeländerung. Wie bis anhin beträgt die Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer.

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Inspiration aus den Niederlanden

Um das Pilotprojekt starten zu könnten, mussten zuerst rechtliche Abklärungen mit dem ASTRA, dem Bundesamt für Strassen, getätigt werden. «Hinzu kamen technische Fragen, wie die ‘Velostrasse’ in der Stadt St.Gallen aussehen kann», sagt Stefan Pfiffner, Leiter der städtischen Abteilung für Verkehrsplanung. Die Velokonferenz Schweiz hat das Projekt initiiert – und sich von europäischen Vorbildern wie den Niederlanden Inspiration geholt.

Versuch für dauerhaften Betrieb

Ab dem Ende der kommenden Woche kann die St.Galler «Velostrasse» befahren werden. Während eines Jahres betreibt das ASTRA Monitoring: Das Bundesamt für Strassen erhebt Daten, um einen dauerhaften Betrieb zu testen. Auch Personenbefragungen sollen ermitteln, ob eine «Velostrasse» in der Stadt St.Gallen erwünscht ist. Fällt der Schlussbericht, der Anfang 2018 vorliegt, positiv aus, entscheidet man, ob eine solche Privilegierung der Velofahrer auch auf Dauer Sinn ergibt. «Dann müssen die entsprechenden Gesetze und Verordnungen angepasst werden», so Pfiffner.

Auswirkungen für Autofahrer

«Keine Auswirkungen hat der Versuch auf die Fussgänger», heisst es in einer Mitteilung der Stadt St.Gallen. Es ist ihnen überall erlaubt, die «Velostrasse» zu überqueren. Wie üblich haben sie ausser bei Fussgängerstreifen keinen Vortritt. Für die Autolenker bedeutet es eine Umstellung, wenn sie von rechts keinen Vortritt mehr haben. «Zusätzliche Kontrollen sind aktuell nicht geplant. Das kann sich ändern, wenn wir Meldungen erhalten, dass sich Verkehrsteilnehmer nicht an die neuen Regeln halten», sagt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen, auf Anfrage.

Fünf weitere Schweizer Städte Teil des Versuchs

Nicht nur an der Lindenstrasse, auch in anderen Schweizer Städten wird die «Velostrasse» getestet. Basel, Bern, La Chaux-de-Fonds, Luzern und Zürich beteiligen sich ebenfalls am Projekt. «In den Pilotversuchen sollen der effektive Einfluss auf die Verkehrssicherheit im Allgemeinen, auf die Qualität und den Komfort für den Veloverkehr sowie Akzeptanz untersucht werden», ist dem Communiqué der Stadt zu entnehmen.

(lag)


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