«Veranstalter hatten eigenen Sicherheitsdienst»

5000 Rechtsradikale trafen sich Mitte Oktober im Toggenburg.
5000 Rechtsradikale trafen sich Mitte Oktober im Toggenburg. © Twitter/Antifa
Die Kantonspolizei St.Gallen hat ihr Vorgehen beim Neonazi-Konzert in Unterwasser verteidigt. Wir haben den Polizeikommandanten Bruno Zanga gefragt, wieso die Polizei die Veranstaltung nicht einfach abgebrochen hat.

Bruno Zanga, wieviele Leute waren vor Ort, als am Samstag die Polizei in Unterwasser eintraf?
Bruno Zanga: Es waren bereits etwa tausend dieser Rechtsextremen dort.

Wann kamen die restlichen Leute?
Zanga: Die sind praktisch im Minutentakt eingetroffen. Etwa tausend weitere Besucher pro Stunde.

Zeigten die Besucher einschlägige Symbole oder Grüsse?
Zanga: Nein, das konnten wir nicht beobachten. Die Konzertbesucher waren schon speziell angezogen. Viele waren kahl rasiert und hatten spezielle Shirts. Aber sonst nichts Auffälliges.

Trotzdem heisst es, die Polizei habe «Feststellungen» gemacht.
Zanga: Unsere Mitarbeiter haben Beobachtungen gemacht, die sie schriftlich festgehalten und nun der Staatsanwaltschaft weitergegeben haben. Diese prüft nun, ob diese Feststellungen für ein Strafverfahren genügen.

Bruno Zanga ist Kommandant der St.Galler Kantonspolizei.

Bruno Zanga ist Kommandant der St.Galler Kantonspolizei. (Ralph Ribi/St.Galler Tagblatt Archiv)

War die Polizei für solche Beobachtungen auch im Innern der Halle?
Zanga: Wir waren nur phasenweise in der Halle. Nicht während dem ganzen Konzert.

Wieso nicht?
Zanga: Das wäre nicht möglich gewesen. Die geschlossene Gesellschaft hat nicht gewünscht, dass wir dort drin sind.

Die Veranstalter haben der Polizei gesagt, dass sie nicht rein darf?
Zanga: Nicht explizit. Sie haben uns grundsätzlich schon in die Halle gelassen. Aber die Halle war voll und selbst wenn wir Rechtsverletzungen festgestellt hätten, hätten wir diese nicht ahnden können. Es wäre mit zu grossen Risiken verbunden gewesen.

Sie haben sich also auf Schadensbegrenzung beschränkt?
Zanga: Nein. Unser Auftrag hat sich auf die Sicherheit beschränkt. Bei gravierenden Rechtsverstössen wären wir bereit gewesen, einzugreifen. Schliesslich ist es eine Frage der Verhältnismässigkeit.

Wer hat denn für die Sicherheit in der Halle gesorgt?
Zanga: Der Veranstalter selbst hat einen rund 150 Mann starken Sicherheitsdienst organisiert.

Ab welchem Zeitpunkt wäre die Polizei eingeschritten?
Zanga: Wenn es um Leib und Leben gegangen wäre. Wenn «nur» Musik gespielt wird, selbst wenn sie noch so rassistisch und ehrverletzend ist, dann wird die Polizei nicht eingreifen. Das hätte auch für die Besucher gefährlich werden können. Zum Beispiel wenn eine Panik ausgebrochen wäre. Das war es uns nicht wert.

Sie sagen, dass sie solche Konzerte nicht mehr tolerieren werden.
Zanga: Wir müssen solche Veranstaltungen wenn immer möglich im Vorfeld verhindern. Wenn sie einmal gestartet ist, kann man nicht mehr viel machen. Deshalb werden wir nun die Gemeinden und Leute, die solche Veranstaltungsorte vermieten, sensibilisieren.

Wird es im Kanton St.Gallen nun keine Rechtsrock-Konzerte mehr geben?
Zanga: Es sollte keine mehr geben. Absolut verhindern werden wir das jedoch nicht können.

Bereits für diesen Samstag ist mit der Pnos-Gründungsfeier im Raum Rapperswil ein weiteres Rechtsrock-Konzert angekündigt.
Zanga: Wir wissen davon und nehmen mit den Veranstaltern Kontakt auf.

Flak ist eine klar Rechtsextreme Band.
Zanga: Das stimmt, allerdings ist die Musik von Flak frei erhältlich und deshalb können wir einen Auftritt nicht verbieten. Wir werden den Auftritt aber sicher polizeilich begleiten.

Wird es wieder so viele Leute dort geben?
Zanga: Nein, wir gehen von viel weniger Besuchern aus.

Interview: Nadja Marugg


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