Verliert der „weiße Sport“ seine Unschuld?

Verliert der „weiße Sport“ seine Unschuld?
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Was ist also während der Australian Open passiert? Angeblich sind Dokumente aufgetaucht, die beweisen sollen, dass bestimmte Spiele auf ATP-, Challenger- und ITF-Ebene manipuliert waren. Profitiert sollen davon Wettsyndikate und Personen, die eingeweiht waren, haben.

Schon in den vergangenen Jahren wurden immer wieder Tennisspieler verdächtigt, Spiele zu manipulieren. Am bekanntesten ist da wohl der Fall Fall Davydenko. Auch der Österreicher Daniel Köllerer wurde wegen Absprachen lebenslang von der ATP gesperrt. Vergangenen Sommer, im Jahr 2015, erwischte es die beiden Italiener Potito Starace und Daniele Bracciali. Auch sie erhielten lebenslange Sperren und Geldstrafen wegen nachgewiesener Manipulationen. Insgesamt sollen 16 ehemalige Top 50 Spieler in diesen Wettskandal verwickelt sein. Um welche Spieler es sich da handelt, lässt sich nicht genau sagen. Zumindest Beteiligte in einem verdächtigen Match dürften Teymuraz Gabashvili, Edoardo Schwank und Alexander Bolgomolov gewesen sein. Angefragt wurde auch bei Marin Cilic, Viktoria Azarenka, Agnieszka Radwanska, Roberta Vinci und Sara Errani. Diese Spieler sind allerdings auf diese „unmoralischen Angebote“ nicht eingegangen und haben abgelehnt.

Vor kurzem veröffentlichte der Guardian, dass nicht nur Spieler in diesen Skandal verwickelt sind, sondern auch Schiedsrichter haben sich an Matchabsprachen beteiligt. So sollen der Kasache Kirill Parfenov und der Kroate Tennis Pinter Spiele auf ITF-Ebene manipuliert haben. Parfenov wurde bereits lebenslang gesperrt, der Kroate wurde für 12 Monate aus dem Verkehr gezogen. Doch wie kann ein Schiedsrichter überhaupt in eine Tennispartie Einfluß nehmen? Diese Praxis nennt sich im englischen Courtsiding. Zocker sind bei Futures- und ITF-Turnieren anwesend und der Schiedsrichter nimmt Einfluß auf den Spielstand, in dem er diesen mit Verzögerung an die Livescores und an die Wettanbieter übermittelt. Die Ergebnis- und Livescoredienste werden in so einem Fall ganz gezielt manipuliert.

Ist der Schiedsrichter an einer Spielabsprache nicht beteiligt, gibt es auch einige Möglichkeiten, um Einfluß auf Wettquoten zu nehmen, wie man auf wettbasis.com nachlesen kann. Sehr schwer zu beweisen ist es beispielsweise, wenn ein Spieler den ersten Satz gewinnt, im zweiten ein Break vorne liegt, die Partie aber noch verliert. Die Quoten sind dann selbst auf den Favoriten enorm hoch, wenn er die Partie noch drehen sollte. Eine andere Möglichkeit ist es, wenn der favorisierte Spieler, der für gewöhnlich sehr niedrige Wettquoten vor der Partie hat, den ersten Satz verliert und dadurch eine höhere Live-Quote bekommt. Die Partie muss dann natürlich noch gedreht werden, was dem Favoriten in den meisten Fällen nicht schwer fallen sollte. Der Favorit gewinnt also, die Livewetten-Quote ist durch den verlorenen ersten Satz höher, wer würde dahinter eine Absprache vermuten?

Man sieht also, es gibt einige Möglichkeiten, Tennisspiele zu manipulieren, sei es über die Spieler selbst, oder die Schiedsrichter. Doch generell sollte man bei einer Sensation nicht gleich an eine Absprache oder Manipulation denken. Überraschungen im Tennis oder in anderen Sportarten sind oft das Salz in der Suppe, die eine bestimmte Sportart noch spannender macht. Der Favorit kann außerdem wirklich einmal keinen guten Tag erwischen. Auf ATP-Ebene wird es sowieso kaum zu Absprachen kommen. Auf Challenger- und ITF-Ebene sollte man vorsichtiger sein und die Augen offen halten.


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