Verursacht der Föhn wirklich Migräne?

Von Stephanie Martina
Zwischen 10 bis 20 Prozent der Schweizerinnen leiden unter Migräneattacken
Zwischen 10 bis 20 Prozent der Schweizerinnen leiden unter Migräneattacken © iStock
Wegen des Föhns und der Wetterwechsel klagen viele im FM1-Land über Kopfschmerzen. Doch ist wirklich der Föhn schuld daran? Wir haben einen Experten gefragt.

Viele Menschen klagen über Kopfschmerzen, wenn der Föhn einsetzt. Doch gibt es zwischen dem Föhnwetter und Migräneattacken tatsächlich einen Zusammenhang? FM1Today hat Dominik Zieglgänsberger, Facharzt für Neurologie am Kantonsspital St.Gallen, gefragt und überraschende Antworten erhalten.

Herr Zieglgänsberger, in diesen Tagen klagen viele Menschen über Kopfschmerzen und Migräne. Ist der Föhn schuld daran?
Etwa ein Drittel der Menschen, die unter Migräne leiden, berichten, dass sie wetterfühlig sind und vor allem dann unter Migräneattacken leiden, wenn sich das Wetter ändert und der Föhn einsetzt. Für viele Patienten ist klar, dass ihre Migräne der Veränderung des Wetters zusammenhängt. Wissenschaftlich bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings nicht.

Warum konnte die Wissenschaft einen Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Wetterwechseln bisher nicht belegen?
Das Problem ist, dass Wetterwechsel in Studien nur schwer gemessen werden können. In letzter Zeit wird aber in Arbeiten immer öfter versucht, bei spezifischen Patienten die lokale Wettersituation wissenschaftlich zu erfassen. Manchmal zeigt sich in diesen Forschungen, dass zwischen der Häufigkeit der Kopfschmerzen und den Wetterwechseln ein Zusammenhang bestehen könnte. Aber bewiesen ist das leider noch nicht.

Gibt es Ursachen für Migräne, die wissenschaftlich bewiesen sind?
Ja, zum Beispiel einige Schokoladen-, Käse- oder Rotwein-Sorten. Das sind die klassischen drei Lebensmittel, die Migräne auslösen können. Daneben können auch Hormonschwankungen für Kopfschmerzen sorgen. Was jedoch bei der einen Person Migräne verursacht, muss bei einer anderen nicht auch Kopfschmerzen verursachen. Jeder Mensch reagiert auf andere auslösende Faktoren.

Wie kann man herausfinden, was die Migräneattacke auslöst?
Wir empfehlen den Migräne-Patienten ein Kopfschmerzen-Tagebuch zu führen, damit sich herausfinden lässt, was die Schmerzen verursacht.

Gib es einen Tipp, den Sie allen Migräne-Betroffenenen mitgeben?
Ich empfehle generell viel zu schlafen, weil auch Schlafmangel und Stress Migräne auslösen können. Wenn die Schmerzen so stark sind, dass die Person nicht mehr in der Lage ist, den beruflichen oder familiären Alltag zu bewältigen, rate ich zu einem Besuch bei uns in der Kopfschmerz-Sprechstunde.

Wie viele Menschen leiden in der Schweiz unter Migräne?
Migräne ist ein sehr häufiges Leiden. 10 bis 20 Prozent der Frauen sind betroffen – vor allem jüngere Frauen zwischen 15 und 45. Bei den Männern sind es etwas weniger, man geht davon aus, dass es etwa halb so viele sind wie bei den Frauen.

Welche Menschen sind häufig von Migräne betroffen?
Man könnte meinen, dass es sich vor allem um Personen handelt, die gesundheitlich angeschlagen sind. Dem ist aber nicht so: Die meisten Migräne-Patienten sind leistungsorientiert, perfektionistisch und organisiert. Viele haben vor allem am Wochenende Kopfschmerzen, wenn der Stress des Berufsalltags abfällt. Es scheint also so zu sein, als wären Migräne und psychischer Druck gekoppelt. Deshalb werden in spezialisierten Kopfschmerz-Kliniken unter anderem Entspannungstechniken angeboten.


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