«Vielleicht liege ich halbe Nacht wach»

Von Lara Abderhalden
Angst vor einem Sturz hat Jan Scherrer nicht, er freut sich auf den Wettkampf.
Angst vor einem Sturz hat Jan Scherrer nicht, er freut sich auf den Wettkampf. © zVg
Mit David Hablützel und Iouri Podladtchikov stürzten gleich zwei Schweizer Snowboarder kurz vor den olympischen Spielen in Pyeongchang schwer. Immer noch im Rennen ist der Toggenburger Jan Scherrer. Obwohl ihn die Stürze seiner Teamkollegen nervös machen und die Kälte die Bewegungen einschränkt, freut er sich auf den Wettkampf.

«Die Angst im Training ist viel grösser als die Angst am Wettkampf. Während des Wettkampfes hat kein Fahrer Angst vor Schmerzen oder vor einem Sturz, weil man seine Tricks zeigen möchte und weil man so lange darauf hingearbeitet hat», sagt Jan Scherrer. Der 23-jährige Snowboarder aus Ebnat-Kappel wird am Dienstagmorgen die Qualifikation in der Halfpipe fahren. Das Schweizer Team wurde von vier Athleten auf zwei reduziert, nachdem Iouri Podladtchikov und David Hablützel wegen Stürzen die Teilnahme an den Olympischen Spielen absagen mussten.

Mehr Staff zur Verfügung

«Es ist schon speziell, weil wir uns zwei Jahre lang gemeinsam auf diese Spiele vorbereitet haben.» Dennoch versucht Jan Scherrer sich nicht negativ davon beeinflussen zu lassen. «Wir können das gut wegstecken und müssen für uns schauen. Wir haben mehr Staff zur Verfügung, von da her ist es gemütlicher.» Dennoch wäre es dem Toggenburger lieber, wenn alle gesund wären. «Die Energie ist dann besser.»

Freude ist grösser als die Angst

Die Stürze seiner Teamkollegen haben Jan Scherrer etwas grübeln lassen – wenn auch nur kurz: «Als wir noch vor Pyeongchang trainierten, waren nur Pat Burgener und ich. Wir haben uns so auf die Olympischen Spiele gefreut und das Wetter war lange Zeit so schlecht, dass wir zuerst keine neuen Tricks ausprobieren wollten, weil diese immer mit einem Risiko verbunden sind.» Diese Angst sei mittlerweile aber wieder verflogen: «Wenn man erst einmal hier ist, ist die Angst nicht grösser als sonst. Man freut sich auf den Event.»

Jan Scherrer hatte in Pyeongchang bereits zwei Trainings (Bild: zVg)

Jan Scherrer hatte in Pyeongchang bereits zwei Trainings (Bild: zVg)

«Wir tragen am liebsten Pullis»

Was den Athleten etwas zu schaffen macht, ist die Kälte. «Als wir hier angekommen sind, war es in Seoul Minus 15 Grad», sagt Scherrer. Die Kälte sei schwierig, weil sie die Bewegungsfreiheit einschränke: «Wir machen, was die Bewegungen anbelangt, ähnliche Sachen wie Kunstturner oder Skiakrobaten. Deshalb tragen wir am liebsten möglichst wenig Kleidung oder fahren in Pullis. Wenn es so kalt ist, ist man durch die vielen Kleiderschichten eingeschränkt und verbringt viel Zeit mit aufwärmen.»

Jan Scherrers letzte Trainingseinheit vor den olympischen Spielen:

Last shred session done before the olympics. Three sick days with the @swisssnowboard team!!

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«Mein Ziel ist ein Diplom»

Jan Scherrers Ziel am Dienstagmorgen (04.55 Uhr Schweizer Zeit) ist natürlich die Qualifikation für das Finale: «Die Qualifikation ist immer ein Pflichtprogramm. Man freut sich nie darauf, weil die Gefahr besteht, dass man zweimal stürzt und der Wettkampf vorbei ist, bevor er richtig angefangen hat.» Trotzdem freut er sich auf den Moment, wenn er beide Läufe geschafft und sich für den Final am Mittwoch qualifiziert hat. Dort möchte der Toggenburger ein Diplom: «Eine Top-8-Platzierung ist mein Ziel.»

Bis es morgen früh losgeht, gibt es heute noch ein «cool down» mit dem Mentaltrainer, nach dem Essen wird er sich aber ziemlich schnell zurück ziehen: «Vielleicht lese ich noch ein bisschen oder nehme ein Eisbad, damit ich erholt bin für den nächsten Tag.» Nervös sei er im Moment noch nicht: «Ich habe es mir mit der Nervosität schlimmer vorgestellt, aber wer weiss, vielleicht liege ich auch die halbe Nacht wach.»

«Die Halfpipe sieht gut aus», schreibt Jan Scherrer zu diesem Bild (Bild: zVg)

«Die Halfpipe sieht gut aus», schreibt Jan Scherrer zu diesem Bild (Bild: zVg)

(abl)


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