Vladimir Petkovic zieht eine erste Bilanz

Der Nationalcoach (links) hat kein Verständnis für die Pfiffe gegen Stürmer Seferovic
Der Nationalcoach (links) hat kein Verständnis für die Pfiffe gegen Stürmer Seferovic © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Das Schweizer Team und sein Stratege Vladimir Petkovic erarbeiten sich mit der vierten WM-Teilnahme in Serie Respekt. Nur ein Teil des Publikums verweigert einem SFV-Protagonisten die Wertschätzung.

2014 trat er als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld an, der Auftakt missriet – zwei Niederlagen gegen England und Slowenien trübten den Einstand. Von den anfänglichen Irritationen ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, Petkovic wird intern und extern mit Komplimenten überhäuft. Captain Stephan Lichtsteiner holte zum Sonderlob aus: «Er hat eine hervorragende persönliche Kampagne gemacht und ist an diesem Erfolg massgeblich beteiligt.»

Der Erfolgstrainer reichte die zahllosen Blumen umgehend an sein Team weiter: «Ich bin stolz auf sie und auf das, was wir geleistet haben.» Nach dem erfolgreichen Playoff ohne Gegentor blickte der Selektionär auf einen «langen Prozess» zurück. Das 0:0 im Rückspiel gegen die Nordiren sei symptomatisch gewesen für die Entwicklung der letzten Monate: «Wir haben dominiert.»

Seine Emotionen konnte Petkovic unmittelbar nach dem zweiten Vorstoss an eine Endrunde unter seiner Leitung nicht richtig einordnen. Noch schwang das turbulente Ende mit. Der von Ricardo Rodriguez in der 92. Minute in höchster Not entschärfte Ball des Spiels «kühlte etwas ab», derweil ihn die bösartigen Pfiffe gegen Haris Seferovic aufwühlten.

Die negative Reaktion gewisser Teile des Publikums irritierten den Nationalcoach, aber an einer Polemik gegen den eigenen Anhang ist er selbstredend nicht interessiert. «Schade, wir könnten einiges lernen von den nordirischen Fans. Aber ich will das Thema nicht anheizen, sondern den Moment geniessen.»

Vier WM-Teilnahmen in Serie, eine Positionierung an der erweiterten europäischen Spitze, die statistisch beste Qualifikationskampagne in der SFV-Geschichte. Wo ortet der Stratege an der Linie die wichtigsten Qualitäten seines Ensembles? «Wir pflegen den Teamgeist, wir besitzen eine positive Ausstrahlung und sind immer gewillt, so weit wie möglich zu gehen.»

Auf eine erste konkrete Prognose verzichtete Petkovic am Tag der sportlichen Wahrheit und knapp drei Wochen vor der Auslosung im Moskauer Kreml. «Ich müsste zuerst einmal die Liste der Teilnehmer studieren», scherzte der Tessiner und schob nach: «Über das Los muss man nicht reden, man muss es einfach akzeptieren.»

Er blieb im Zusammenhang mit dem «Highlight WM» vage, deutete dennoch an, dass er mehr Output als an der letzten EM für möglich hält. «Wir wollen uns verbessern. Wir setzen uns keine Limiten.» Konkret: Der Viertelfinal wird zum Thema – oder mehr.

Derweil die Schweizer zusammen mit den europäischen Schwergewichten abermals zum WM-Stammfeld gehören, verschwinden die Nordiren 17 Monate nach ihrer rauschenden EM-Party wieder vom internationalen Radar. Sie verabschiedeten sich ehrenhaft von der grossen Bühne. «Unsere Performance war phänomenal, mehr konnte ich als Coach nicht erwarten», bilanzierte Coach Michael O’Neill.

Der Schweiz wünschte der Belfaster Sportsmann alles Gute. Die Mannschaft von Petkovic könne nichts dafür, «dass ein Penalty, den man nie hätte geben dürfen, der Unterschied war».

(SDA)


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