Volero kämpft mit sich selbst

Ein ungewohntes Bild: Die Spielerinnen von Volero hatten in dieser Saison nicht immer nur Grund zu jubeln
Ein ungewohntes Bild: Die Spielerinnen von Volero hatten in dieser Saison nicht immer nur Grund zu jubeln © KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Mit dem Auswärtsspiel gegen die Rumäninnen von Alba Blaj starten die Volleyballerinnen von Volero Zürich heute in die neue Champions-League-Saison.

Er wollte die Champions League gewinnen und Klub-Weltmeister werden – Jahr für Jahr hatte es Stav Jacobi, der Präsident von Volero, wieder versucht. Er investierte viel Geld und engagierte die besten Spielerinnen der Welt. Vergeblich. Der grosse Coup gelang dem Zürcher Spitzenklub nie. Auf diese Saison hin haben Jacobi und Volero ihre Ambitionen etwas heruntergeschraubt. Der Ehrgeiz ist noch derselbe, die Ziele aber sind etwas bescheidener und der Einsatz der finanziellen Mittel geringer geworden.

Der Umbruch verläuft nicht ohne Schwierigkeiten. In der laufenden Meisterschaft hat Volero bereits drei Partien verloren und ist in der Tabelle derzeit nur im ungewohnten 2. Rang klassiert. Das Kader ist zwar jung und eher unerfahren, für Schweizer Verhältnisse aber immer noch überdurchschnittlich gut besetzt.

Die Dominanz, die zwischen 2012 und 2017 auf nationaler Ebene zu 185 Siegen in Serie geführt hat, ist verloren gegangen. Eine Woche vor dem Start in die Champions League verabschiedete sich zudem Trainer Anderson de Oliveira Rodrigues aus familiären Gründen in Richtung brasilianische Heimat.

Was ist los bei Volero? Nichts, zumindest nichts Beunruhigendes, wenn man den Worten von Jacobi lauscht. «Wir waren in den letzten Jahren verwöhnt, dass wir nie verloren haben», so der 50-Jährige. «Die Entwicklung kommt für uns zwar ungewollt, ist aber auf eine Art auch willkommen, gerade für den Volleyball in der Schweiz.»

Willkommen? Jacobi liefert die Begründung für die eigentümlichen Worte nach: «Wir begründeten unsere Dominanz in den letzten Jahren nur damit, die Champions League stürmen zu wollen. Wenn wir die Champions League nicht stürmen können oder wollen, dann gibt es grundsätzlich keine Rechtfertigung dafür.» Denn eine Dominanz wie von Volero könne eine Liga langfristig auch ruinieren, was für die Öffentlichkeit nur halb so interessant sei und die Entwicklung einer Sportart blockieren könne.

Setzt Jacobi mit anderen Worten zum allgemeinen Wohl des Schweizer Volleyballs den Status als nationale Nummer 1 und den Gewinn der Meisterschaft zumindest vorübergehend freiwillig aufs Spiel? Dies dann doch nicht. Jacobi wählt eigene Worte dazu: «Solange uns der Hund nur an der Wade beisst und nicht weiter oben, dann kann ich damit leben.»

Jacobi ist zuversichtlich, dass seine Equipe den Rank wieder finden und zumindest national weiter obenaus schwingen wird. Er macht sich keine grossen Sorgen: «Für unser junges Team ist es hilfreich, wenn es gefordert wird. Nur aus Niederlagen lernt diese Mannschaft und kommt letztlich weiter.»

Jacobi ist aber auch überzeugt, dass Volero in der Champions League gegen Alba Blaj, Mulhouse (FRA) und Rzeszow (POL) erfolgreich auftreten kann: «Es gibt keinen Überflieger in unserer Gruppe, der Ausgang ist völlig offen. Wir können jedes Team schlagen, genauso gut wie uns jedes Team schlagen kann.» Um den Vorstoss in die K.o.-Phase zu schaffen, müssen die Zürcherinnen mindestens Zweite in der Gruppe werden.

Und was ist mit dem Trainer? Gegen Alba Blaj wird der bisherige Assistent Gil Ferrer Cutiño die Mannschaft betreuen. «Ein Schnellschuss bringt nichts, wir lassen uns Zeit bis Weihnachten, um einen neuen Trainer zu finden.» Es gelte, jemanden zu finden, der die Gruppe weiterentwickeln könne. «Die Spielerinnen müssen sich als Team finden. Dann werden wir auch wieder konstanter spielen.»

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen