Vom Kriegsgebiet in den Hörsaal

Unter den Vertriebenen befinden sich Studenten.
Unter den Vertriebenen befinden sich Studenten. © Photo by Spencer Platt/Getty Images
Die Universität St.Gallen kommt Flüchtlingen entgegen – das hat Tradition. Wer sein Studium fortsetzen möchte, wird nicht wie ein Ausländer, sondern wie ein Einheimischer behandelt.

Der Zustrom an Flüchtlingen hält europaweit an. Pro Tag reisen allein hundert Personen in die Ostschweiz. Unter den Vertriebenen befinden sich Studenten. Für sie stellt sich die Frage, ob und wie sie ihr Studium im Gastland fortsetzen können. “Swissuniversities”, Konferenz der Rektoren der Schweizer Hochschulen, setzt sich dafür ein, dass Flüchtlinge Zugang zu Hochschulen bekommen. Das wird vom Studentenverband begrüsst.

Weltkriege und Prager Frühling

Auf dem St.Galler Rosenberg sind Flüchtlinge bereits willkommen. “Für die regulären Ausbildungsgänge hat die HSG im Falle von Bewerbenden mit Asylstatus bisher stets eine sehr grosszügige Praxis gepflegt”, sagt Marius Hasenböhler-Backes, Leiter Kommunikation. Waren Vorbildungsausweise vorhanden oder zumindest nachvollziehbar, wurden Flüchtlinge mit Asylstatus unter den gleichen Bedingungen wie inländische Bewerbende zugelassen. Sie sind also vom Selektionsverfahren für ausländische Bewerbende befreit. “An dieser Praxis möchte die HSG festhalten”, so Hasenböhler.

Dies hat Tradition. Seit ihrer Gründung hat die HSG sich für die akademische Ausbildung und Weiterbildung von Flüchtlingen eingesetzt, etwa während der Weltkriege oder nach dem Prager Frühling im Jahre 1968.

Im Rahmen der aktuellen Flüchtlingskrise hat die HSG bis jetzt keine Gesuche erhalten. Sie bereitet sich aber vor. “Die Universität St. Gallen hat vor kurzem eine Task Force eingesetzt, um geeignete Angebote und Integrationsformen für Flüchtlinge in die universitären Strukturen und Angebote zu erarbeiten”, Hasenböhler.

Zusammenhalt fördern

Laut Hasenböhler erachtet die HSG die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Erwerbsleben als wichtig und sinnvoll: “Die Flüchtlinge können einerseits den Gastaufenthalt im Hinblick auf die spätere Rückkehr ins Heimatland nutzbringend gestalten”, so der Kommunikationsleiter. Andererseits könne die Erwerbstätigkeit gut ausgebildeter Flüchtlinge dem hiesigen Fachkräftemangel entgegenwirken. Beides unterstütze die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Bevölkerung und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt. (red)


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