Von Peking nach Paris via St.Moritz

Von Leila Akbarzada
Der Chevrolet von Renate Hanselmann und Andreas Gabathuler irgendwo zwischen Peking und Paris.
Der Chevrolet von Renate Hanselmann und Andreas Gabathuler irgendwo zwischen Peking und Paris. © Gerard Brown
Über 50 Oldtimer oder 107 Rally-Teams erobern derzeit an der Endurorally den Globus. Die Fahrer starteten in Peking, Endziel ist Paris. Am Donnerstagnachmittag erreichten die Oldtimer-Fahrer St.Moritz. Mit dabei sind auch zwei Ostschweizer Teams.

Im Zelt schlafen in der Mongolei, ein Getriebewechsel in der russischen Stadt Nowosibirsk – das sind nur zwei Beispiele für die vielen Erlebnisse von der Liechtensteinerin Renate Hanselmann und ihrem Co-Driver Andreas Gabathuler aus Buchs auf der sechsten Endurorally von Peking nach Paris. “Das kann man aber nicht so eng sehen. Wir wechseln uns ab mit dem Fahren, jeder muss alles tun. Einzig bei der Reparatur, da ist Andreas der Fachmann”, sagt Renate Hanselmann.

Das nötige Virus

Hanselmann nimmt zum ersten Mal an der Endurorally teil, die am 12. Juni losging. “Ich habe schon bei anderen Rallys mitgemacht, aber die Strecke Peking-Paris ist natürlich eine Klasse für sich”, sagt sie. Ein Freund erzählte ihr von der 36-tägigen Rally quer durch den Globus. “Er hat mich komplett mit dem Virus infiziert.” Man müsse dieses Virus schon in sich haben, denn diese Rally sei eine “deftige Geschichte”.

Die Reise ist mit vielen Strapazen verbunden. Die grösste Herausforderung sind die technischen Probleme mit dem Auto. “Wir hatten am letzten Tag in der Mongolei einen Getriebeschaden und mussten auf dem Lastwagen über die Grenze nach Russland gebracht werden.” Mit enormem Aufwand konnte die Fahrerin ein neues Getriebe aus England für ihren Chevrolet Coupe aus dem Jahr 1939 auftreiben.

Erzwungene Zweisamkeit

Hanselmann und Gabathuler verbringen fast 24 Stunden pro Tag zusammen. Wenig Zeit für Privatsphäre. “Wir kannten uns vorher, haben schon Probefahrten zusammen gemacht, sind aber nicht alte Freunde oder so. Es hat vielleicht einen Vorteil, wenn man nicht so eng miteinander ist. Man konzentriert sich auf die Sache”. Klar, es gebe wie überall hitzige Situationen. “Aber wir kommen sehr gut klar.”
Auch Ex-Nationalrat Peter Weigelt ist einem alten Ford Mustang und Beifahrer Beat Hirs mit im Rennen.

Geschenke für die Rallyfahrer

Viele Strapazen, wenig Zeit für sich, was ist denn der grosse Reiz an dieser Rally? “Es ist sicher das Abenteuer”, sagt Renate Hanselmann. “Mit einem solchen Auto durch so viele verschiedene Länder zu fahren, ist einfach unglaublich”, sagt sie. Gerade Weissrussland hat sie sehr beeindruckt. Die Mongolei sei unvergesslich. “Jedes Gebiet war so speziell, und man hat überall so viele verschiedene Sachen erlebt. Ich kann gar nicht sagen, wo es am schönsten war”. Generell haben sie die Menschen überall sehr begeistert. “Die Leute haben Freude an unserem Abenteuer. Ganze Dörfer haben Veranstaltungen für uns organisiert und uns beschenkt”, erzählt Hanselmann.

Viele Erlebnisse, grosse Freude

Bald ist das Abenteuer zu Ende. Hanselmann freut sich darauf. “Wir kommen der Heimat entgegen. Wir freuen uns auf die Familien, auf das zu Hause, auf alles, was da auf uns wartet.” Die Zeit habe sie sehr genossen. “Es war eine lange Zeit, wir haben unheimlich vieles erlebt. Ich glaube, das wird uns erst alles bewusst, wenn alles vorbei ist.”

Wer sich ein Bild von der Rally machen will: Heute Donnerstag fahren die Vintage-Autos vom italienischen San Martino di Castrozza nach St.Moritz. Sie werden zwischen 16 und 17 Uhr ankommen. Danach geht es via Lausanne weiter Richtung Paris, wo die Oldtimer am 17. Juli das Ziel erreichen.


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